Gedanken

Acht Fragen zum Geld, die sich alle Eltern stellen können

Wir sprechen nicht gerne übers Geld. Dabei sind die finanziellen Folgen gerade für junge Familien fatal.

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Als ich schwanger war, deckte ich mich mit einer gefühlten Tonne Bücher zum Thema Schwangerschaft und Säuglinge ab. Ich wusste genau, ob mein Baby der Grösse einer Mango oder Mandarine entsprach, las über Baby-Schübe im ersten Lebensjahr, hatte eine Checkliste für meine Krankenhaustasche und wusste über die perfekte Erstausstattung eines Kinderzimmers Bescheid. Ein Thema das mir sowohl in Elternratgebern wie auch auf den Mamablogs fehlte: Wie finanziere ich unser neues Leben als Familie? Ich weiss nicht, ob es am trockenen Ruf der Finanzen liegt oder der Tatsache, dass man nicht gerne über Geld spricht, aber dieses Thema wird gerne ausgeklammert.

Dabei sind die finanziellen Konsequenzen des Elternwerdens fatal: Die Ausgaben steigen, das Einkommen sinkt. Und auch wenn das Glück eines Lebens mit Kindern in Zahlen nicht zu messen ist: Die Rechnungen sind es schon.

Deshalb kommen hier acht Fragen zum Thema Finanzen die sich alle Eltern stellen sollten.

#1 Wer schaut zum Kind?

Obwohl in der Schweiz in mehr als 70 Prozent der Familien der Mann Vollzeit arbeitet und die Frau ganz oder teilweise unbezahlte Familienarbeit zu Hause leistet, gibt es zig verschiedene Familienmodelle. Es gibt Eltern die sich halbe-halbe aufteilen, Väter die sich einen Papitag freischaufeln. Es gibt Grosseltern, Nachbarn, Nannys, Au Pairs, Kitas, Spielgruppen oder Tagesmütter, die sich um die Kinder kümmern. Auch wenn es nach der Geburt anders kommt, als man plante: Gut beraten ist, wer verschiedene Optionen durchspielt und dabei die finanziellen Folgen bedenkt.

#2 Wie viel Geld brauchen wir wirklich?

Egal wer sich um das Kind kümmert: Das Einkommen von jungen Familien schrumpft so oder so. Gegen finanzielle Engpässe hilft ein Budget. Zuoberst die Einnahmen, dann die Ausgaben, zuunterst die Rückstellungen – schon ist klar, wie viel man wofür ausgibt. Und ob die grössere Wohnung nun drin liegt oder nicht. Es empfiehlt sich übrigens, die Wohnkosten unter einem Viertel der Einnahmen zu halten.

➢ Budgetvorlagen: budgetberatung.ch

#3 Ist für Unvorhergesehenes gesorgt?

Es braucht Disziplin, nicht den ganzen Lohn auszugeben und monatlich einen Betrag auf ein separates Konto zu überweisen. Doch man erspart sich viel Stress, wenn eine ungeplante Krankenkassen-Rechnung bezahlt werden muss, die nächste Steuererklärung ins Haus flattert oder eine grössere Anschaffung ansteht. Und wie wäre es mit einem Zweitstudium, sobald die Kinder aus dem Gröbsten raus sind? Drei Monatsausgaben gelten als optimale Reserve. Hat man die auf der Seite, kann man sich die nächste Frage stellen:

#4 Wie wollen wir altern?

Die meisten tun sich schwer mit dem Gedanken an die Altersvorsorge. Dabei muss man nicht notwendig viel Geld besitzen, um mit dem Zurücklegen zu beginnen. Anfangs reichen schon 100 Franken pro Monat. Hauptsache man beginnt damit. Ein Muss sind Zahlungen auf ein Säule-3a-Konto: Diese Beiträge sind steuerbefreit. Bei einer Maximalzahlung von 6768 Franken (Richtlinie für das Jahr 2017), lassen sich so je nach Einkommen und Wohnort bereits bis zu 2300 Franken pro Jahr sparen.

➢ Buchtipp: Vorsorgen, aber sicher! Richle und Weigele, Beobacher-Buchverlag, ISBN 978-3-85569-914-8

#5 Wo lässt sich Geld sparen?

Zugegeben: Gerade als frischgebackene Eltern, ist die Versuchung riesig, der Konsumwelt der Babyartikel zu verfallen. Man kann sich aber auch selber bremsen oder zumindest kreativ werden: Kindermöbel kann man selber bauen, Spielzeug in einer Ludothek leihen, Kindersitze mieten. Winterjacken gibt es auch extrem herzige in Secondhand-Börsen. Auf comparis.ch lässt sich die günstigste Krankenversicherung recherchieren und wer bei Lebensmittel- und Windelkäufen auf Aktionen achtet, kann auch sparen.

➢ Allerlei zum Mieten: sharely.ch

#6 Was sind Familienzulagen?

Eltern haben Anspruch auf drei Arten von Familienzulagen: Geburts-, Kinder- und Ausbildungszulagen. Manche Kantone richten einmalige Geburtszulagen aus: Wer in Zürich gebärt, bekommt nichts, in Genf hingegen gibt es bis zu 3000 Franken pro Geburt. Kinderzulagen müssen beim Arbeitgeber beantragt werden und werden monatlich mit dem Lohn überwiesen. Auch sie variieren je nach Kanton, betragen aber mindestens 200 Franken pro Monat und Kind. Wird das Kind 16 Jahre alt, steigt der Betrag um 50 Franken an und nennt sich Ausbildungszulage.

➢Mehr Infos: ahv-iv.info und der kantonalen Sozialversicherungsstelle z.B. svazurich.ch

#7 Werden wir als Familie steuerlich entlastet?

Beim Ausfüllen der Steuererklärung müssen Eltern auf drei Dinge achten:
Erstens gibt es pauschale Steuerabzüge für Familien. Diese variieren je nach Kanton: So dürfen Eltern einer Dreizehnjährigen im Aargau 7’000 Franken und dieselben Eltern im Kanton Zug 12’000 Franken pauschal abziehen. Bei der direkten Bundessteuer zieht man pro Jahr und Kind 6’500 Franken ab. Zweitens wird ein Teil der Kinderbetreuungskosten steuerbefreit. Auch dies variiert je nach Kanton: Während im Wallis 3’000 Franken, zieht man in Neuenburg 19’200*** Franken ab. Bei der direkten Bundessteuer zieht man hier bis zu 10’100 Franken pro Jahr und Kind ab. Drittens können Krankheitskosten beispielsweise für Zahnspange oder Brillen ebenfalls von den Steuern abgezogen werden.

➢ Steuerämter geben kostenlose Auskunft.

#8 Sollen wir heiraten?

Ob eine Ehe die Liebe besiegelt, ist Ansichtssache. Fakt ist, dass eine Ehe finanzielle Folgen hat, die gerade für Familien wichtig sein können. Finanziellen Vorteile sind: Verheiratete haben ein gesetzliches Erbrecht und müssen keine Erbschaftssteuer abliefern. Verheiratete erhalten Witwerrenten von der AHV, Pensionskasse oder der

Unfallversicherung. Bei einer Trennung oder Scheidung hat der wirtschaftlich Schwächere einen Anspruch auf Alimente, das während der Ehe angehäufte Vermögen (dazu gehören die Gelder der Pensionskasse und der Säule 3a) wird halbiert. Finanziellen Nachteile sind: Verheiratete zahlen wegen der Steuerprogression mehr Steuern als Konkubinatspaare und erhalten im Alter weniger AHV-Rente.

Dieser Text erschien in veränderter Form im Magazin „wir eltern“.

Bilder: © Ellen Girod

Tags : Geld
Ellen Girod
Ellen Girod ist eine freie Journalistin und Mutter. Sie fühlt sich geschmeichelt, wenn man sie als "Gluggere" bezeichnet.

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