Vor eineinhalb Jahren lancierte Andrea Jansen ihren Blog. Heute hat Any Working Mom 7000 Facebook-Fans und bis zu 30’000 Unique Visits pro Monat – Tendenz steigend. Ihre besten Posts knacken locker mal die 1000-Likes-Marke und Persönlich.com berichtete darüber, als die ehemalige NZZ-Journalistin Anja Knabenhans zum Any Working Mom-Team gestossen ist.

Würde ich noch immer an den Weihnachtsmann glauben, würde ich mir Andreas Erfolg wünschen. Doch solchen Erfolg kann frau nicht einfach wünschen, sondern muss sich erst mal erarbeiten. Deshalb fragte ich Andrea, wie sie das macht.

Chez Mama Poule: Hut ab und herzlichen Glückwunsch für den Riesenerfolg mit Any Working Mom. Weisst Du, was Dein Erfolgsrezept ist? Andrea Jansen: Ich unterschätze die Arbeit nicht, von Anfang an nicht. Ich mache es entweder richtig, oder gar nicht. Es gibt dieses Quote – sinngemäss: Du kommst nur weiter, wenn Du bereit bist, Dinge zu leisten, die andere nicht bereit sind zu leisten. Und ich glaube, dazu bin ich bereit. Diese letzten 20 Meter zu gehen, auch wenn ich finde, ich hab jetzt eigentlich keinen Bock drauf: Ich machs dann trotzdem.

Hast Du ein Beispiel? Nachts bis um halb Zwölf noch an etwas rumfeilen, recherchieren nach treffenden Worten suchen. Sich nicht mit dem Status quo zufriedengeben, sondern die beste Lösung suchen.

Ich hab auch gehört, dass erfolgreiche Menschen extrem gut fokussieren können. Damit hatte ich leider schon immer Mühe. Und seit ich blogge noch viel mehr. Mal verfalle ich SEO-Tutorials, mal will ich tastymässige DIY-Videos produzieren, dann überlege ich mir, in die Familienfotografie einzusteigen, eigenes Spielzeug zu kreieren oder Webinare übers Bloggen anzubieten. Am liebsten alles gleichzeitig. Wie ist das bei Dir, bist Du gut im Fokussieren? Nein, ich bin da genau gleich wie Du. Ganz schlimm. Neuerdings bin ich ja eine eCommerce-Spezialistin (lacht). Was ich aber mache, ist mir eine Zeitbegrenzung zu setzen: „Bis mittags um 12:00 darfst Du das und das tun.“ Und ich arbeite mit To-Do-Listen und setze mir meine Prios für den Tag am Morgen fest, solange ich die nicht gemacht habe, wird (fast) nichts Anderes gemacht.

Hast Du das Gefühl, Any Working Mom konnte von Deiner Bekanntheit (Anm. d. Redaktion: Andrea Jansen arbeitete lange beim Schweizer Fernsehen) profitieren? Sicher. Aber auch für diese Bekanntheit habe ich zehn Jahre lang gearbeitet. Gleichzeitig war und ist sie natürlich eine Fallhöhe – man schaut viel genauer hin.

Hattest Du zu Beginn eine besondere Strategie, um Any Working Mom bekannt zu machen? Ja. Wenn ich externe Aufträge hatte (u.a. Blick und Mamablog), habe ich überall drauf bestanden, dass mein Blog verlinkt wird. Ich bin diversen Facebook-Gruppen beigetreten und habe dort die Posts platziert. Dann habe ich mich in alle möglichen Listen (Schweizer Blogs, Brigitte MOM Blogs) eingetragen, um dort Backlinks zu generieren.

Bringen Publikationen bei Mamablog viel Traffic? Meine (Zweit-)Publikation bei HuffPost von letzter Woche brachte mir gerade mal 60 magere Visits. Ja, Mamablog bringt Traffic. Die haben mir mal an einem Tag 800 Leute vorbeigeschickt. Aber gell, meine Texte polarisieren halt. Und die Kommentarschreiber dort finden mich, glaube ich, die Hinterletzte. Und dass HuffPost gratis Content verlangt, finde ich ehrlich gesagt eine Frechheit.

Ich sahs als eine Investition in meine Reichweite. Ging nicht auf. Wer war denn bisher Dein grösster Multiplikator: Mamablog? Dein eigener Text? Steffi. Steffi ist durch die Decke. Sie hat ihre 80k Fans. Und als sies geteilt hat, ist mir die Hütte zusammengefallen. Merci, Steffi!

Was bringt Dir Any Working MomEs ist sinnstiftend, über Themen zu schreiben, die mir wichtig sind. Ein Publikum dafür zu haben, das auch darauf reagiert und sich einbringt. Und es ist meine Plattform um im Gespräch, im Business zu bleiben und weitere Aufträge für mich als Journalistin und Produzentin zu generieren. Und schliesslich bringt es mir auch extrem viel Know-How – die Lernkurve in den letzten 16 Monaten war unglaublich. Nur Geld bringt es nicht wahnsinnig viel (lacht).

Was verdienst Du pro Monat damit? Kann ich so nicht beziffern. Es ist eine Mischrechnung zwischen externen Aufträgen (Schreibaufträge, Beratungen, Konzepte, Moderationen oder Vorträge) und direkten Einnahmen. Es gibt Monate, da komme ich auf den grünen Zweig, es gibt Monate, da läuft nichts. Ich habe meine Dachfirma Jane Doe Media GmbH, die alle meine verschiedenen Projekte beherbergt. Bei ihr bin ich selber auch Geschäftsführerin und zahle mir momentan einen schlechten 50-Prozent-Lohn aus. 

Kürzlich wurde für Dich der Traum vieler Blogger*innen wahr: Zwei Angebote für eine wöchentliche Kolumne in einer namhaften Tageszeitung und einem Magazin. Du hast beide abgelehnt. Warum? Klar wäre es super: Ein fixes Grundrauschen, wichtige Backlinks. Aber beide Anfragen waren stark themenverwandt mit Any Working Mom. Erstens will ich nicht mein ganzes Medienschaffen dem Thema Familie unterordnen, und zweitens wusste ich, dass diese arbeiten meine Arbeit für Any Working Mom zeitlich und auch von den Ideen her kannibalisieren würde. Diese Qualität jede Woche woanders zu liefern, PLUS Any Working Mom stark zu machen – das wäre nicht gegangen. Ich glaube an das Potenzial von Any Working Mom und auch daran, dass es den Blog braucht.

Wie viel Zeit investierst Du denn in Any Working Mom? Pro Woche? Kann ich nicht wirklich beziffern, wahrscheinlich im Schnitt gegen 50 Prozent. Montags bin ich in meinem Co-Working-Büro im Impact Hub. Schreiben kann ich am besten morgens. Mit zusätzlichen Aufträgen wäre ich da sehr schnell auf 100 Prozent – Zeit, die ich nicht meinen Kindern abschneiden will.

Ich finds grossartig, dass Du den Mut hattest dem eigenen Ding zu liebe solch ein Angebot abzulehnen. Ich hätte mich extrem schwergetan und wohl zugeschlagen. Ich glaube, Du siehst Dein eigenes Potenzial von Chez Mama Poule nicht. Deine fest zugeschnittene Zielgruppe. Da drehen andere durch, wenn sie das haben.

Du möchtest ab 2018 keine Werbe-Kooperationen mehr eingehen, warum? Der Aufwand ist riesengross für jeden einzelnen Post, es macht verhältnismässig wenig Spass und schlussendlich unsere Glaubwürdigkeit kaputt. Anja und ich fanden, das kann nicht sein. Und wir suchen jetzt nach anderen Formen. Wir machen zum Beispiel bezahlte Verlosungen. Ich sitze zwar an einem FB-Post auch bis zu 30 Minuten,  bis alles stimmt. Aber der Aufwand dazu steht in einem gesunden Verhältnis.

Welche Strategien schweben Dir sonst vor? Kein Burnout zu bekommen! (Lacht)

Ich kenns, wobei das ja eigentlich gar nicht so lustig ist. Ich meinte aber eher Monetarisierungs-Strategien, also nebst Social-Media-Posts. Klassische Werbung, weiterhin externe Aufträge oder Zweitverwertungen und am liebsten wären uns langfristige Partner.

Welcher Kanal bringt Dir am meisten Traffic? Facebook und zwar unsere eigene Page. 

Wie viel gibst Du pro Monat für FB-Ads aus? Zwischen 0 und 30 Franken. Für einen einzelnen Post setze ich zwischen fünf bis sieben Franken ein. Und zwar dann, wenn ich merke, dass er gut läuft. Dann pushe ich ihn ein wenig, um es zu potenzieren.

Hast Du einen Redaktionsplan? Wie viele Wochen im Voraus sind die nächsten Beiträge schon geschrieben? Es gibt solche, die sind drei Wochen im Voraus ready. Und solche die spontan entstehen. Im Moment sind wir eher im Rückstand, was mit dem Redesign der Seite und vielen strukturellen Entscheidungen zu tun hat.

Wann finden eure Redaktionssitzungen mit Anja statt? Wir sind konstant in Kontakt. Manchmal erst am Abend um 23:00. Unsere Redaktionsplanung machen wir neu mit Trello.

Woher holst Du Dir Deine Ideen? Frage ist eher, wie kann ich sie reduzieren. Ich habe so viele. 

Was machst Du selber und was wird outgesourced? Wir haben eine wunderbare Studentin, die uns sporadisch unter die Arme greift: Recherchearbeit, Bilder uploaden, solche Sachen. Den Grossteil machen wir selber, weil ein Blog auch vom Persönlichen lebt.

Wurdest Du schon dafür belächelt, dass Du jetzt bloggst (Stichwort Mitteilungsbedürfnis/Influencer) bzw. einen Mamablog hast?  Also Any Working Mom ist meines Erachtens kein “klassischer” Mamablog sondern ein Blog für Eltern und solche, die es mal werden wollen. Ich bin jetzt auch nicht plötzlich Hauptberuflich “Bloggerin”, sondern immer noch Medienschaffende – der Blog ist ein Projekt (das aber sehr viel Zeit beansprucht ;).  Interessanterweise erlebe ich das Gegenteil vom belächelt werden. Ich habe gemerkt, dass Blogs auch im Journi-Kuchen als Medium ernst genommen werden. In den USA hat jeder Journalist einen Blog, um seinem eigenen Schaffen ein Showcase zu geben.

Ich ärgere mich manchmal über Blogger, die für Firmen Gratis-Werbung machen z.B. nach dem sie an einen Anlass eingeladen wurden, bringen sie ihre Produkte in ihren (derzeit in meiner Bubble am meisten angeschauten) Insta-Stories. Wie siehst Du das? Verkaufen wir Blogger uns nicht zu schlecht? Braucht es gar eine Art Gewerkschaft für Blogger, welche für Transparenz sorgt und die Preise für Kooperationen festlegt? Nein, das seh ich nicht so. Wir haben freie Marktwirtschaft. Soll doch jeder machen, was er will! Ich kenne meinen Wert. Meine Kunden auch. Ausserdem kannst Du nicht Preise ausschliesslich nach Reichweite festlegen. Du kannst nicht nur mit Zahlen messen. Ein kleiner Blog, der nur 5000 Leute pro Monat bringt, aber sehr stark definierte Zielgruppe hat, ist für den, der diese Zielgruppe erreichen will, viel mehr wert. Viel wichtiger finde ich die Aufklärung neuer Blogger, dass ihr Content, ihre Arbeit, etwas wert ist.

Wie siehst Du die Entwicklung von Blogs und Influencer Marketing in der Schweiz? Spannend finde ich den aktuellen Blog-Boom in der Schweiz. Als ich im 2015 übers Bloggen zu recherchieren begann, gab es annähernd zwei Blogs in meiner Nische. Und in den letzten zwei Jahren ist es explodiert. In Zukunft, denke ich, wird ähnliches passieren wie in Deutschland: Professionalisierung. Und dass viele einen Blog starten werden, bereits mit einer Business-Idee im Hinterkopf – obwohl ich da Zweifel habe, ob das dann auch “verhäbt”. Dasselbe gilt für den “Influencer”-Ansatz: Überleben kann meiner Meinung nach nur, wer auch guten Content bietet. Und grundsätzlich ist ja jeder ein Influencer, der eine Gefolgschaft hat..

Jesus war auch einer! (Lacht) Genau! Ist er ja immernoch, der Grösste!

Und nun zur Zukunft von Any Working Mom: Wo steht Dein Blog in einem Jahr? In einem Jahr wärs schön, wenn wir mit  Any Working Mom unsere wunderbaren Gastautoren anständig bezahlen könnten und unsere Reichweite markant erhöhen. Viel wichtiger aber als all das, ist mir das ideelle Ziel und zwar: Dass ganz viele Eltern die heute das Gefühl haben „Was läuft eigentlich? Ich hab mir das alles ganz anders vorgestellt, wieso ist Vereinbarkeit so verdammt schwierig?“ , dass die sich abgeholt fühlen. Dass sie wissen, ich bin nicht allein. Und gleichzeitig aber auch finden: „Hey, wir müssen was ändern.“ Und das ist unser zweites Ziel: Jüngere Zielgruppe zu erreichen, Mütter und Väter von morgen. Damit nicht Generation nach Generation von Müttern diesen Spagat üben müssen, damit Elternzeit irgendwann Realität wird, und auch Unternehmen, die diesem Bedürfnis Rechnung tragen.

Das Motto von Any Working Mom ist “Mal ehrlich”. Klingt gut. Gibt es auch „unehrliche“ Blogs? Ich vergleiche Any Working Mom gar nicht mit anderen Blogs. Und mit „Mal ehrlich“ meine ich nicht, dass wir der einzige ehrliche Blog sind, sondern: Hey, lasst uns mal ehrlich darüber reden, was es bedeutet, wenn man Eltern wird. Als ich Mutter wurde, gab es solche Texte wie bei uns nicht. Oder ich fand sie zumindest nicht.

Was ist das Schwierigste am Bloggen? Dass es so viel Zeit braucht und man gleichzeitig Autorin, Grafikerin, SEO-Spezialistin, IT-Frau, Marketingtante und Saleswoman sein muss.

Und das Schönste? Die Mails die dann kommen. Ich hatte bei der Berner Zeitung lange eine Kolumne und ich wusste nicht, ob die überhaupt jemand liest, weil da ja kein Feedback zu mir kam. Jetzt ist das anders – der Austausch mit der Community ist sehr stark.

Welche sind Deine Lieblingsblogs? Deiner?

Eltern vom Mars… Geborgen Wachsen… Mini and Me… Nein, ich mein denk Dein Blog! 

Aha, oh! Vielen Dank auch! Und sonst? Und sonst lese ich eigentlich relativ wenig Blogs regelmässig, mir fehlt auch die Zeit. Selfish mother, mag ich, mein englisches Vorbild quasi. Und auch Sanctimommy finde ich witzig. Edition F und Lenny mag ich auch sehr, aber das sind ja keine klassischen Blogs sondern ein Magazin, bzw. ein Newsletter. 

Und die letzte Frage: Selbstzweifel. Ich frage mich manchmal, warum tue ich mir das alles an? Diese stundenlange Bildbearbeitung, alle die Leute in all den Gruppen mit meinen Beiträgen zuspammen. Ich könnte einfach als Journalistin irgendwo arbeiten gehen und gut ist. Zweifelst Du auch mal an Dir selbst? Ja, total. Liegt als Frau ja leider auch irgendwie in meiner DNA. Jetzt aber weniger, seit Anja mit im Boot ist. Sie ist eine sehr gute Journalistin – und will mit mir zusammenarbeiten! Wir möchten etwas aufbauen, dass sich selber finanziert und vor allem einen inhaltlichen Wert generiert. Das wird entweder gelingen oder nicht, je nach Szenario war die Arbeit halt für…

Nein, nicht für nichts! Wir connecten einfach die Dots. Genau wir connecten die Dots! Das machen wir.

Bilder: © Ellen Girod

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Ellen Girod

Ellen Girod ist eine freie Journalistin und Mutter. Sie fühlt sich geschmeichelt, wenn man sie als “Gluggere” bezeichnet.

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