Selbermachen

DIY: Kindergarderobe mit Berlinerhocker

Der schlichte Hocker ist nicht nur bei Berlin-Mitte-Hipstern, sondern auch bei Zürich-West-Kids angesagt. Gemäss seinem Erfinder ist der Hocker in 10 Minuten gezimmert. Wir hatten 40. Und zeigen euch wie.

Stellt euch vor, ihr wacht im Land der Riesen auf. Nicht nur die Menschen um euch herum sind viel grösser als ihr selbst, auch die ganze Umgebung und die Möbel sind riesig. Um auf einen Stuhl zu sitzen, braucht ihr eine kleine Leiter. Um ein Glas Wasser oder ein Stück Birne zu erreichen, muss jemand helfen.

Etwa so geht es den Kindern. Entsprechend freuen sie sich, wenn plötzlich ein Tisch und Stuhl da stehen, die ihnen passen. Deshalb versuche ich unsere Wohnung möglichst kindgerecht einzurichten. Leider sind die meisten Kindermöbel für die ganz Kleinen zu gross. Unsere 1.5-Jährige konnte nicht selbständig auf ihren IKEA-Stuhl raufklettern und stürzte, kaum sah ich weg.

Doch wie kommt man zu einem Stuhl für Toddlers? Ein Möbel vom Schreiner würde einiges kosten. Selber machen, ist kompliziert und extrem aufwendig. Dachte ich. Bis ich den Berliner-Hocker  in einer Facebook-Gruppe entdeckte.

Er stammt aus der „Hartz IV“-Serie des Berliner Architekten Van Bo Le-Mentzel. Getreu dem Motto „Konstruieren statt Konsumieren“, sind dessen Möbel erschwinglich und unkompliziert. Und es gibt viele Eltern, die das Möbel – welches nicht per se für Kinder designed war – passend zur Grösse ihrer Kinder schreinern.

Gemäss Le Van Bo ist er in nur zehn Minuten zusammengeschraubt. Gut, mein Mann hatte 40 Minuten. Doch das Resultat lässt sich sehen. Und vor allem die Reaktion unserer Tochter. Sei es um sich einfach so drauf zu sitzen, um Schuhe anziehen zu üben, um in einem Buch zu blättern oder auch um zu Malen oder ein Puzzle zu lösen  – ohne den Hocker läuft bei uns nichts mehr. Ursprünglich für die Garderobe gedacht, wandert der Hocker mal auf den Balkon, mal ins Wohnzimmer. Ein zweiter Hocker dient mittlerweile als Tisch.

Es ist schön, meine Tochter mit ihrem Hocker zu beobachten. Eine kindgerechte Umgebung spielte für die italienische Ärztin und Pädagogin Maria Montessori eine bedeutende Rolle. Denn wenn Kinder etwas alleine machen können, strengen sie sich an und lernen, dass sie Hindernisse überwinden und selber Resultate erreichen können – eine Basis für Selbstvertrauen und gute Gefühle mit sich selbst. Es scheint zu funktionieren – auch bei scheinbar trivialen Tätigkeiten, wie sich selbständig auf einen Stuhl setzen zu können. Der schlichte Hocker ist eben auch bei Zürich-West-Kindern sehr angesagt.

 

Kosten: Je nach Holz. Wir haben für das gesamte Material (mit etwas teurerem Buchenholz) rund 20 Franken ausgegeben.
Zeit: 10 bis 40 Minuten – je nach handwerklicher Begabung.


Das braucht’s

  • Kleiderhacken ca. 50cm lang
  • 1x Holzplatte „Sitzfläche“ 30x50cm
  • 2x Holzplatten „Seitenelemente“ 40x30cm(plus je 2 x die Breite eures Holzes)*
  • 1x Holzplatte „Rückenwand“ 50x40cm*
  • 10 Schrauben
  • Schleifpapier und Schleifklotz
  • Bohrmaschine
  • Rollmeter oder Lineal
  • Bleistift
  • Radiergummi

*Diese Masse können natürlich variieren. Wir haben die Masse individuell an unsere Tochter, unseren Vorraum und den bereits vorhandenen Korb angepasst.

Optional:

  • Korb für drunter ca. 40cm x 27cm x 15cm
  • Kunstfell oder Kissen

So einfach geht’s

1. Schritt

Zunächst die für euer Kind passende Sitzhöhe (90°-Winkel zwischen Ober- und Unterschenkel) auf der Rückenwand einzeichnen. In unserem Fall waren es 15.5cm. Danach auf der eingezeichneten Linie zwei Löcher für späteres Anbringen des Sitzelementes einzeichnen (z.B. mit je 10cm Abstand vom Rand) und durchbohren.


 

2. Schritt

Zwei entsprechende Bohrlöcher (in unserem Fall je mit 10cm Abstand vom Rand) in die Kante der Sitzfläche (welche dann an die Rückenwand kommt) einzeichnen und die Löcher vorbohren.


 

3. Schritt

Die Rückenwand an die Sitzfläche festschrauben (zwei Schrauben). Tada, schon steht das „T“.


 

4. Schritt

Nun müssen die beiden Seitenelemente montiert werden. Hierfür ein Seitenelement bündig auf das „T“ legen, die Bohrlöcher einzeichnen und vorbohren. Insgesamt wird es vier Löcher geben: Zwei für Schrauben, die das Seitenelement mit der Rückenwand verbinden. Und zwei Schrauben, die das Seitenelement mit der Sitzfläche verbinden.


 

5. Schritt

Jetzt auf jeder Seite die Seitenelemente festschrauben (je vier Schrauben). Die Bleistiftlinien wegradieren, etwas Feinschliff und schon steht das Kinderbänkli!


 

6. Schritt

Kleiner Zusatz: Kleiderhacken montieren und die Garderobe mit Kleider und Schuhen einrichten.


 

 

Et voilà

 

 

Bilder: © Ellen Girod

 

Lesestoff

Grundlagen meiner Pädagogik: Und weitere Aufsätze zur Anthropologie und Didaktik, Maria Montessori – hier bestellen.

Montessori von Anfang an, Polk Lillard & Lillard Jessen – hier bestellen.

Hartz IV Moebel.com: Build more buy less! Konstruieren statt konsumieren!, Van Bo Le-Mentzel – hier bestellen.

Ellen Girod
Ellen Girod ist eine freie Journalistin und Mutter. Sie fühlt sich geschmeichelt, wenn man sie als "Gluggere" bezeichnet.

12 Kommentare

  1. Ich finde das DIY richtig toll und musste zuerst mal Google fragen wieviel 20 Franken in Euros sind 😉 Ich kann mir den Hocker ganz gut vorstellen selbst zu machen. Zwar nicht für meine Kinder, denn die sind nicht vorhanden, aber für meine Katzen würden sich bestimmt darüber freuen! Alles Liebe Iris <3

  2. 18 Euro für einen so schönen, praktischen und kindgerechten Hocker finde ich sehr günstig. Da würde ich dann auch die 40 Minuten Arbeit (die bei mir eher ein paar Stunden wären) in Kauf nehmen.
    Toll!!!
    Liebe Grüße
    Regina

  3. Wow, echt toll! Das sollte ich vielleicht mal an meinen Bruder weiterleiten. Meine kleine Nichte krabbelt nämlich auch einfach überall drauf und fällt regelmäßig herunter ^^“
    Lieben Gruß
    Jil

  4. Liebe Ellen,

    das ist ja cool! Ich glaube du musst mal zu mir kommen und mir dabei helfen all deine tollen Ideen umzusetzen. Ich habe zum Einen zwei linke Hände und zum Anderen leider gar keine Zeit dafür. Aber meine Kleinen würden diese Garderobe echt lieben.. Vielleicht probiere ich es doch mal aus 😉 …

    Liebe Grüße
    Verena

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