Gedanken

Fünf Dinge, die sich ändern, wenn das zweite Kind da ist

Weniger Schlaf, mehr Liebe. Oder mein neues Leben in fünf Akten.

Die Welt verändert sich. Nochmal. Obwohl das Kind, das jetzt da ist, das zweite Kind ist. Die einzige Konstante nach beiden Geburten ist die Liebe…

Ein paar Stunden nachdem meine erste Tochter zur Welt kam, sah ich meinen Mann an: Schau wie herzig, ich will noch so ein Zweites, gell? Kein Witz. Noch im Kreissaal war mir klar: Bald soll auch das Geschwisterchen kommen. Das Ganze stellte ich mir recht easy vor. Wir haben uns ja bereits vom Liebespaar- in den Familien-Groove begeben, uns haut nichts mehr um. Barbara – bereits zweifache Mutter – meinte drauf: „Oh, doch. Das wird es.“ Und sie hatte recht. Das zweite Kind bringt alles nochmal ordentlich durcheinander. Da mich dieses Thema während der zweiten Schwangerschaft enorm beschäftigte, hab ich aufgeschrieben, was anders ist in meinem neuen Leben mit zwei Kindern. Die Veränderung in fünf Akten.

(Noch) weniger Schlaf.

Ich merkte es schon während der Schwangerschaft: Die Zweite war viel anstrengender. Bei der Ersten gab es Fussmassagen und baby showers, gegen 19 Uhr hatte ich dienstfrei, durfte auf dem Sofa „schwanger“ sein, nachts wurde durch- und an Wochenenden ausgeschlafen.

Bei der zweiten Schwangerschaft brauchte auch abends, nachts und am Sonntagmorgen mein erstes Kind die gewohnte Aufmerksamkeit. Entsprechend ist es nach der zweiten Geburt. Wenn es blöd kommt, wachen die Kinder mitten in der Nacht nacheinander auf. Wenn es ganz blöd kommt, sind beide gleichzeitig wach und reklamieren, weil: Baby will gestillt und Kleinkind bekuschelt werden. Nur von Mama natürlich. (Wenn jemand weiss, wie beides – ohne Krämpfe in den Oberarmen und Hals – geht, bitte verratet es unten in den Kommentaren.) Die guten Nachrichten: Stillhormone machen einen leidensfähiger.

Weniger Hilfe für das zweite Kind.

Während unser erstes Kind enthusiastisch empfangen wurde, war die Empathie und entsprechende Entlastung beim Zweiten deutlich kleiner. Nach dem Motto: „Jetzt wisst ihr ja, wie es geht.“ Eigentlich paradox: Denn mit mehr Kindern bräuchte man ja auch mehr Hilfe.

Mehr Gelassenheit dank zweitem Kind.

Es soll sie ja geben, Mütter, die schon beim ersten Kind tiefenentspannt sind. Ich gehöre definitiv nicht dazu. Sonne, Wind, Raucher auf dem Gleis, sogar die grellen Halogenlampen in unserer Küche schienen mir zu viel für mein erstes Baby. Ich kochte alles aus und las tonnenweise Bücher und Blogs in der Hoffnung meine Tochter in eine Super-Schläferin und Alles-Esserin zu verwandeln. (Gebracht hat es, glaub ich, nicht viel.)

Beim zweiten Kind komme ich ganz einfach nicht mehr dazu, mir derart Gedanken zu machen. Auch wird meine Jüngste nur alle drei Wochen gebadet. Weil sie es hasst. Und weil zu viel Baden der Haut eh schadet. (O-Ton unsere Kinderärztin.) Aber eben auch, weil ich nicht immer dazu komme.

Das erste Kind wirkt plötzlich riesengross.

Ist es aber nicht. Zwar erscheinen diese einst fragilen Fingerchen, diese einst klitzekleinen Füsschen wirklich viel grösser. Denn das Neugeborene ist vergleichsweise winzig. Das ältere Kind aber versteht erst einmal nicht, weshalb es über Nacht so gross geworden sein soll. Weshalb es weniger in den Arm genommen wird,  weshalb es weniger kuscheln darf, weshalb es die Mama in der Nacht mit diesem neuen Baby teilen muss.

Um ihr den Start in dieses „Geschwistersein“ womöglich nicht zu erschweren, versuche ich meine ältere Tochter nicht als „grosse“ Schwester zu nennen. Oder sie sonst irgendwie anders zu behandeln, alleine weil jetzt ein viel kleineres Familienmitglied da ist.

Mehr Liebe.

Als wir mitten in der Nacht ins Spital fuhren, sah ich meine Erstgeborene an und fragte mich ein mal mehr: Werd ich es schaffen, sie weiterhin so zu lieben, wenn sie kein Einzelkind mehr ist?

Ein paar Stunden nach dem meine zweite Tochter zur Welt kam, hatte ich meine Antwort: Natürlich. Man kriegt zwar noch weniger Schlaf, aber dafür noch mehr Liebe. Das Herz wächst wirklich.

Chez Mama Poule \\ Das zweite Kind

Lesenswertes zum Thema:

 Bilder: © Ellen Girod

Was denkt ihr generell über ein zweites Kind? Und an alle zweifachen Eltern:  Wie war das am Anfang, als das zweite Kind da war? Ich und die Leser*innen sind auf eure Erfahrungen in den Kommentaren unten gespannt..

Ellen Girod
Ellen Girod ist eine freie Journalistin und Mutter. Sie fühlt sich geschmeichelt, wenn man sie als "Gluggere" bezeichnet.

16 Kommentare

  1. Mein Sohn wirkt auch plötzlich riesig. Wir dachten schon, wir hätten ihn mit Osterschokolade überfüttert, aber die Kinderärztin hat uns beruhigt: alles im grünen Bereich 😉 Aber irgendwie ist er auch als Mensch gewachsen mit der neuen Rolle als grosser Bruder.

  2. 😂😂😂 ich kann alles unterschreiben, war bei mir genau gleich, ausser der satz im gebärsaal! 🙈 das mit der „grossen schwester“ ist ein guter tipp! dabei ertappe ich mich selbst oft und andere leute noch viel öfter. eigentlich logisch, dass ein dreijähriges kind das nicht versteht und eher gekränkt wird oder sich nicht mehr wahrgenommen fühlt als stolz auf das kleine geschwister zu sein, nur weil es die andern so süss finden.

  3. Sehr schön geschrieben! Das war bei mir auch so: Als meine Grosse nach der Geburt unseres zweiten Kindes zum ersten Mal die Schwelle zu meinem Spitalzimmer überschritt, war sie plötzlich nicht mehr mein kleines Mädchen. Sie war ohne Vorwarnung über Nacht gross geworden. Ihre Hände, ihre Füsse, ihr Wuschelkopf. Alles an ihr schien von gestern auf heute andere Dimensionen angenommen zu haben. Das fühlte sich fremd, ungewohnt und beängstigend an.

    1. Vielen Dank, liebe Isabelle. Musste Deinen Text auf Deinem Blog miniundstil.ch natürlich auch lesen. Vom Mäuschen zur Maus <3 sehr schön geschrieben! Und da sind sie wieder, Deine wunderschönen hellen Bilder, die ich so gerne mag.

  4. Wow, es kommt mir vor als hätte jemand meine Gefühle und Gedanken aufgeschrieben! Anscheinend geht es vielen gleich…..Wir haben eine Tochter und einen kleinen Sohn, zwei so verschiedene Wesen und trotzdem oder deswegen ergänzt es sich perfekt 😍

  5. Sehr schön geschrieben! Ich erwarte jeden Moment die Geburt unseres zweiten Jungen & bin sowas von gespannt, wies werden wird, wenn der Grosse Kleine uns dann im Spital besuchen kommt…

  6. Meine Gedanken Ellen

    Super schöner Interessanter Blog zum Lesen und lernen wow😉
    ich bin seit 6.5mt. Mutter und Liebe es mit allem drum und dran😍 der Gedanke an ein zweites ist aber auch schon da wie wird es, wie funktioniert es alles fragen wie wie….

  7. Ein sehr schöner Text, der genau in unsere aktuelle Situation passt. Mein „Großer“ wird im Januar 2 Jahre und nur wenige Wochen später soll sein Geschwisterchen zur Welt kommen. Ich mache mir schon ziemlich viele Gedanken, wie das wohl sein wird, vor allem da der kurze Altersunterschied nicht ganz geplant war. Für die Kinder ist es später sicher schön, dass sie kein so großer Zeitraum trennt, aber erstmal wird es für uns alle sicher anspruchsvoll sich an die neue Familiensituation zu gewöhnen.
    Deswegen möchte ich, die Zeit die ich bis dahin noch habe, nutzen und mich schon mal mit möglichst vielen Ideen und Erfahrungen vorbereiten. Leider funktioniert der Link zu deinem Artikel : „Sieben Ideen, die das Leben mit einem Neugeborenem und einem Kleinkind vereinfachen“ nicht. Ist der Artikel noch verfügbar?

    1. Herzlichen Dank für Deine ausführliche Rückmeldung, liebe Kristin <3 Der Beitrag ist in der Schlussredaktion und wird in den kommenden Tagen aufgeschalten. Ich nehme Dich sonst gerne in unseren Newsletter-Verteiler auf, dann bekommst Du ihn direkt in Deine Mailbox, ok? Ich wünsche Dir eine schöne Restschwangerschaft. Herzlich, Ellen

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