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18 Sommer: So wenig Zeit haben wir mit unseren Kindern

Das Bild zu diesem Beitrag “18 Sommer” ist von der Fotografin Mickie deVries

Die Zeit in der unsere Kinder so klein sind, ist ein vergleichsweise kurzer Abschnitt unseres Lebens. Geniessen wir jede Sekunde! 

Wir haben durchschnittlich achtzehn Sommer mit unseren Kindern. Nur achtzehn Sommer bevor sie ausziehen und die Sommerzeit mit ihren Freunden, später ihren eigenen Familien verbringen werden. Diese ernüchternde Tatsache las ich kürzlich auf Motherly. Auf meine älteste Tochter angewendet – die schon Drei ist und wohl schon vor ihrem 18. Geburtstag ohne uns um die Häuser ziehen wird – bleiben mir wohl noch weniger Sommer mit ihr. Sagen wir Zwölf.

Dieser Gedanke macht mich wehmütig. Schon klar, Kinder werden schnell gross und unsere Zeit mit ihnen vergeht wie im Flug. Aber Zwölf? Das dünkt mich doch sehr absehbar.

Nur noch zwölf Sommer in denen sie morgens als erstes auf den Balkon rennt, um zu schauen, ob die Erdbeeren schon reif seien. Nur noch zwölf Sommer in denen sie abends auf ebendiesem Balkon rumspringen und fröhlich „Ich! bin! aber! noch! nicht! müde!“ rufen wird. Und mein Mann und ich auf demselben Balkon kurz die Beine ausstrecken werden, nachdem sie endlich eingeschlafen ist.

Nur noch zwölf Mal beim Ferienplanen mit all den Kita-, Arbeits- und sonstigen Terminen jonglieren müssen. Und endlose Checklisten beim Kofferpacken abhacken. Nur noch zwölf Mal ihr neue Sandalen kaufen müssen. Und sehen wie sie zum ersten Mal im Jahr einen Fuss in den See setzt.

Weniger als zwölf Sommer in denen ich ihre Sandkasten-Spuren in unserem Gang staubsaugen muss. Und Sand aus ihren Haaren auswaschen darf. Weniger als zwölf Sommer ihr zartes Gesicht eincremen dürfen. Und nicht ohne die Sonnencreme aus dem Haus gehen. Und wieder heimkehren, weil wir die Seifenblasen vergessen haben.

Weniger als zwölf Mal zählen: Wie viel Mal schlafen, bis wir in die Sommerferien fahren? Und weniger als zwölf Sommer in denen sie mich bitten wird, ihr das „Tomatenfest“ vorzulesen. Und mir täglich die Frage aller Fragen stellen wird: Mama, darf ich noch ein Eis?

Geniessen wir die Zeit, als unsere Kinder noch so klein sind

Und noch viel weniger Sommer, in denen ich: Ihr Gesicht beobachten darf, während sie einen Schmetterling betrachtet. Und dort Freude entdecke, die so tief und wahrhaftig ist. Mit anderen Eltern rund um den Rasensprenger stehe und unsere planschenden Kinder beobachte. Sandkuchen und Schlösser baue. Ihr eisverschmiertes Gesicht fotografiere. Mit ihr einen Mittagsschlaf mache. Sie beim Wandern auf dem Rücken trage.

Weniger als zwölf Sommer als diese Familie. Mit all dem Chaos und all der Heiterkeit. Und solange noch, solange ich diese kostbaren Sommer mit meinen kleinen Kindern vor mir habe, möchte ich wirklich jede Sekunde davon geniessen. Bewusster Leben. Erinnerungen sammeln.

Den vollen Geschirrspüler stehen lassen, mich hinsetzen und ihnen beim frühstücken zuschauen. Wenn sie zwischen den Restaurant-Tischen rennen, statt brav am Tisch sitzen wollen, mit ihnen in den Garten rausgehen und Fangen spielen. Ihnen danach das zweite Eis bestellen. Und sie abends viel zu spät ins Bett gehen lassen.

Denn mit jedem neuen Wort das sie lernen, mit jedem alten Kleidungsstück aus dem sie herauswachsen, verstreicht unsere Zeit als Eltern von diesen kleinen Kindern. Und ganz schnell wird aus dem „Ich! will! noch! nicht! schlafen!“ ein „Ich ruf Dich nächste Woche wieder an!“

Doch noch habe ich sie vor mir, diese zwölf Sommer. Sommer in denen ich – egal wie anstrengend und stressig es werden soll – glücklich sein darf, sie wachsen zu sehen. Wie sie ihr Eis essen. Wie sie beim Fangen spielen lachen. Und wie unglaublich schön das alles ist.

Und vielleicht ist das alles doch nicht so wenig. Denn jeder dieser Sommer wird mein und ihre Herzen mit mehr und mehr Erinnerungen füllen. Und zu den Sommer kommen ja noch zwölf Herbste. Winter. Und Frühlinge. Alles gut.


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Bildrechte: © Mickie deVries

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Tags : Sommer
Ellen Girod
Ellen Girod ist eine freie Journalistin und Mutter. Sie fühlt sich geschmeichelt, wenn man sie als "Gluggere" bezeichnet.

12 Kommentare

  1. Das traurige ist, das man als Eltern oftmals viel zu wenig Zeit für seine Kinder hat. Schon mehrfach ist mir der Gedanke gekommen, das man einen Generationensprung machen sollte, indem man den Grosseltern die Erziehung und das Aufwachsen überlässt. und man selbst es dann bei seinen Enkeln übernimmt. So hätte man auch im Alter eine reizvolle Aufgabe, und müsste sich nicht auf Onlinespiele wie Snake, wie meine Eltern es tun, versteifen

  2. Ich freu mich jetzt schon drauf!
    Nochmals danke Dir für Deinen Text – er wirkt wirklich nachhaltend an bei mir, bei uns. Jeder neue Ferientag oder bald auch wieder Alltag bringt seine eigenen Herausforderungen mit sich mit unseren 2 Kleinmenschen, und ich nutze Deine Gedanken um alles gebührend zu “relativieren”. Macht nicht alles einfacher, aber vieles wertvoller.

  3. Oh ja, ein toller Artikel und so wahr. Wie schnell vergeht die Zeit… viel zu schnell. An alle erschöpften Eltern von kleinen Kindern: Versucht jede Minute zu genießen und schafft euch schöne Erinnerungen durch bewusst wahrgenommene Momente. Liebe Grüße von Catherine …meine Jungs sind inzwischen 24 und 26 Jahre alt 🙂

  4. Sitze auch gerade müde und kaputt vom Ferientag da und lese Deine wunderbaren Zeilen. Ja, es stimmt. Alles davon. Jedes Wort. Oft vergisst man im täglichen Wahnsinn die eigentliche Wunderbarkeit der Momente. Danke für Deine Erinnerung daran.

  5. Jetzt Sitz ich hier…mit meinen 3 Kindern im Urlaub. Ich bin müde und erschöpft und heule…weil er so schön ist, dein Text. So wahr. Das schlechte Gewissen nagt, weil ich weiss wie sehr ich diese Zeit vermissen werde und wie selten ich sie bewusst geniessen kann…

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