Elternsein: Haben wir es uns zu schwer gemacht?

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Ist der Weg liebevoller, respektvoller, ebenbürtiger Beziehung mit dem Kind steiniger als derjenige einer old-school Erziehung?

Eine Freundin, die erziehungstechnisch sehr ähnlich tickt, stellte mir kürzlich die grosse Frage: “Haben wir es uns zu schwergemacht? Ginge es auch einfacher?”

Damit meinte sie die Art wie sie und ich jeweils mit unseren Kindern leben. Sie meinte unseren Attachment-Parenting-Weg des bedürfnis- und bindungsorientierten Elternseins inkl. Stillen, Tragen und Familienbett. Sie meinte unsere montessorischen “Hilf mir, es selbst zu tun” und “Follow the child”-Haltungen und der damit verbundenen Beobachtung der Kinder, ihrer Interessen und entsprechender Wohnungseinrichtung. Sie meinte den “unerzogen“-angehauchten Fokus auf Beziehung statt Erziehung und die Gleichwürdigkeit mit den Kindern.

Auf ihre wichtige Frage fand ich keine abschliessende Antwort. Meine sinngemässe Email an meine Freundin teile ich nun mit euch. Und lade euch zum Mitdiskutieren ein.

Attachment Parenting: Bedürfnisse aller sind wichtig.

Stillen statt Flasche: Stillen war für mich primär ein Ego-Entscheid, denn was ist praktischer: Wasser temperieren, Pulver abmessen, Wasser abwägen, Fläschchen & Co. sterilisieren, ja nichts vergessen, wenn man für unterwegs packt oder eben mal kurz die Brust rausholen?

Baby Led Weaning (BLW) statt Brei nach Plan: Eine Zuchetti-Stange neben die Pizza aufs Blech legen und das Baby fingerfooden bzw. selbstbestimmt abstillen lassen, ist für mich allemal einfacher als stressige Pläne zu verfolgen (heute Karotten, morgen Kartoffeln), extra Breie zu kochen und das Kind zu füttern, während mein eigenes Essen kalt wird. Und seit dem Einwand unserer Kinderärztin, BLW-Kinder seien weniger anfällig auf Essstörungen, als solche die mit Brei gefüttert wurden, ist eh klar: Alleine mein Baby entscheidet, wie viel es isst oder stillt und wann es satt ist. Weder ich, noch das Hipp-Gläschen.

Einschlafbegleiten im Familienbett statt Schreienlassen im Gitterbett: Neben der Tatsache dass mir Ferbern (Schlaftraining) rein instinktiv komplett widerstrebt, vereinfacht unser Familienbett vor allem eins: Mein Leben. Erstens, weil ich mir das nächtliche Aufstehen gerne spare und stattdessen lieber kurz den Rücken meiner halbwachen Tochter tätschle bis wir friedlich weiterschlafen. Zweitens, weil ich nicht auf der Bettkante schlafen mag – wie dies alle (ausnahmslos alle) meiner Freundinnen ohne Familienbett tun, da die Kinder nachts ins Elternbett wandern – und deshalb bastelten wir uns gleich von Anfang an ein 2.80-Meter-breites Matratzenlager.

Montessori-Pädagogik: Hilf mir, es selbst zu tun.

Eine Baby-gerechte Umgebung schaffen, statt das Kind im Laufstall zu parkieren: Wir haben eine dieser Stoff-Wippen, in die ich meine Töchter jeweils für ein paar Minuten setze. Klar, Pikler hätte keine Freude. Aber für mich stimmts. Dank dem Teil komme ich zum Duschen. Ansonsten: Ja, hier stehen kein Laufstall oder Türgitter, dafür sind viele Möbel sind auf die Grösse unserer Kinder abgestimmt. Und so siehts bei uns mittlerweile aus wie in einer Kita. Aber das ist uns wurst. Die Zeit in der unsere Kinder klein sind, ist vergleichsweise ein Bruchteil unseres Lebens. Und sobald sie aus dem Haus sind, werden wirs uns wieder etwas stylischer und erwachsener einrichten. (Das Argument gilt übrigens auch fürs Familienbett.)

Diese vorbereitete Umgebung, wie Maria Montessori sie nannte, mag aufwendig für uns Eltern sein. Manchmal ist es mühsam, zu warten bis meine Tochter ihre Schuhe auf ihrem noch so reizendem Berlinerhocker selber angezogen hat. Vor allem dann, wenn wir spät dran sind und gleich den Zug verpassen. Aber von Montessori habe ich gelernt, dass die Selbständigkeit die Selbstwertgefühle meiner Tochter stärkt und das leuchtet mir ein.

Und nicht zu letzt bereitet uns diese vorbereitete Umgebung eine grosse Freude. Denn es ist schlicht grossartig unsere ältere Tochter in ihrem Flow, beim konzentrierten Spiel und in ihrer (wachsenden) Selbständigkeit zu beobachten. Dazu hat die vorbereitete Umgebung auch ihre praktischen und lebensvereinfachenden Seiten: Weil z.B. ihr Frühstücksgeschirr und Müesli in der untersten Küchenschublade versorgt sind, kann meine 2.5-jährige Tochter ihren zMorge selber decken und mir bleibt so mehr Zeit für die Morgentoilette des Babys.

Unerzogen: Auf Beziehung statt Erziehung setzen.

Mit meinem Kind gemeinsame Lösungen suchen, statt es mit Lob und Strafen zu erziehen (oder böser gesagt: manipulieren)? Meinem Kind auf Augenhöhe begegnen, statt von oben herab? Mein Kind bedingungslos zu lieben, statt es zuerst durch meine Erziehung verändern wollen? Mein Kind (und natürlich auch andere Meschen) so zu sehen und zu lieben, wie es ist, anstatt so, wie ich es gerne hätte. Meinem Kind genauso respektvoll und gleichberechtigt zu begegnen, wie mit jedem erwachsenen Menschen?

Vieles aus der Unerzogen-Bewegung fühlt sich für mich rein intuitiv sehr gut an. Und ja, manchmal ist es anstrengend. Denn ein „Gut gemacht!“ wenn meine Tochter mir eine Zeichnung zeigt, braucht weniger Kreativität und Zeit, als ein „Zeig mal, hast Du hier etwas Blaues gemalt? Was das wohl ist?“ Aber seit ich von der Stanford-Studie las, die zeigte, dass Lob den Kindern die Freude und das Interesse an der eigentlichen Tätigkeit stiehlt und somit das Gegenteil davon erreicht, nämlich mein Kind zu bestärken und ermutigen, kommt Loben für mich nicht mehr in Frage.

Und es wäre wohl schneller meiner Tochter kurz im Schwitzkasten die Zähne zu putzen. Geht für mich aber unter körperliche Gewalt. Und so wurden hier 347 verschiedene Spiele ausprobiert und Geschichten erzählt, an verschiedensten Orten, mit diversen Bürstelis und Zahncremes geputzt, bis schliesslich ein von meinem Mann gezimmerter Waschbecken mit Spiegel (soon on the blog!) das Zähneputzen meiner Tochter erleichterte.

Elternsein: Wozu die Mühe? 

Klar, für viele ist meine Art des Elternseins schlicht zu viel. Kann ich verstehen, denn beim Schreiben dieses Artikels wurde mir klar, aus wie vielen Strömungen ich mich als Mutter inspirieren lasse.

„Du machst dir einfach zu viele Gedanken!“, hab ich schon oft gehört. Mütter wie ich seien selber schuld und würden es uns unnötig schwermachen. Denn die Erziehung früher lief ja ganz anders ab. Interessanterweise war es kein Thema, wenn ich – als Kinderlose – mir wochenlang über meine nächste Yogareise oder die Einrichtung meiner damaligen Wohnung den Kopf zerbrach. Dass ich als Journalistin auch sonst jeden Mist recherchiere, wurde auch nie in Frage gestellt, sondern bewundert. Wenn ich mir aber Gedanken über mein Elternsein – meine notabene verantwortungsvollste Aufgabe ever – und die Auswirkungen meines Verhaltens auf mein Kind mache, finden es viele übertrieben.

„Aber wir wurden auch so erzogen und trugen schliesslich keinen Schaden davon.“, lautet dann das Killerargument. Und genau da bin ich mir eben nicht so sicher. Vor allem wenn ich unsere immer absurder werdende Welt betrachte. Die voll Hass, Gier und Gewalt ist. Da frage ich mich schon, ob wir wirklich keinen Schaden tragen. Und ob manchen Menschen etwas mehr Liebe, Würde, Vertrauen, Nähe und Empathie in ihrer Kindheit gutgetan hätten.

Haben wir es uns zu schwergemacht?

Ihr seht, für mich gibt es keine andere Option. Für mich stimmt dieser Weg liebevoller, respektvoller, ebenbürtiger Beziehung mit dem Kind. Etwas anderes liesse sich gar nicht mit mir vereinbaren. Manchmal mag mein Weg wohl leichter, manchmal vielleicht steiniger sein, als derjenige einer old-school Erziehung mit Zuckerbrot und Peitsche. Ob es Mütter wie ich uns zu schwermachen, weiss ich nicht. Mein Weg braucht sicher mehr Geduld, Kreativität und Denkarbeit. Ganz klar. Aber genau das ist es ja, was ich an diesem ganzen (furchtbar anstrengendem) Elternsein so mag: Es bringt mich selbst weiter. Es erlaubt mir zu reflektieren und zu wachsen. (Also zumindest dann, wann mir die Augen vor Müdigkeit nicht zufallen.. ; -)

Denn grundsätzlich geht es bei all meinen Leiden als Mutter immer um mich selbst: Darum wie ich auf das Verhalten meines Kindes reagiere und warum. Was löst mein eigenes Kind in mir aus? Wie verhalte ich mich ihm gegenüber? Was passiert wenn mein inneres Kind auf mein eigenes Kind trifft? Und darum welche Beziehung und welchen Frieden ich mit meinem inneren Kind geschlossen habe oder eben nicht. Sprich, welche eigenen Erlebnisse, Muster, Traumatas aus der eigenen Kindheit durch mein Elternsein getriggert werden. Und schlussendlich geht es darum, wie zufrieden ich selber mit mir und meinem Leben bin.

Und all diese Fragen, all diese Arbeit entlang diesem mal mehr, mal weniger steinigen Weg des Elternseins lassen mich wachsen. Die Arbeit an mir selber war nie grösser (und spannender!) als seit ich Mutter bin.

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Gedanken übers Elternsein. Haben wie es uns zu schwer gemacht mit Montessori, Unerzogen, Attachment Parenting & Co.? Oder wäre es einfacher mit der Old-School-Erziehung? Gedanken über Erziehung von Kleinkindern & Erziehungstipps chezmamapoule.com

Bildrechte: ©ramonespelt

Wie ist es bei euch? Seht/erlebt ihr das ähnlich? Oder ganz und gar nicht? Ich lade euch zum Mitdiskutieren ein, gleich unten in den Kommentaren und oder per E-Mail. Ich freue mich <3

 

Mehr zum Thema

Attachment Parenting – Nora Imlau räumt auf mit Missverständnissen rund um AP:
https://editionf.com/Interview-Nora-Imlau-Attachment-Parenting

Montessori-Pädagogik – Wie sie im Alltag funktionieren kann:
http://www.dasgrosseimkleinen.com/washatsichmariadabeigedacht/in-der-ruhe-liegt-die-kraft-was-montessori-fuer-mich-im-alltag-bedeutet/

Unerzogen – Ein Grundsatztext über Erziehung und Antipädagogik:
http://kraetzae.de/erziehung/erziehen_ist_gemein/

Lob – Warum er schadet:
http://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2014/04/manipulation-kind-warum-lob-und-loben-kindern-schadet.html

Elternsein – Von der Freiheit das zu tun, was sich gut anfühlt:
http://www.mini-and-me.com/erziehungsmethoden-warum-attachment-parenting-unerzogen-und-co-nicht-reichen-ueber-neue-wege-und-wahre-begegnung/

 

 


Ellen Girod
Ellen Girod ist eine freie Journalistin und Mutter. Sie fühlt sich geschmeichelt, wenn man sie als "Gluggere" bezeichnet.

36 Kommentare

  1. Hallo!

    Ich bin nun bald Mutter von 4 Kindern (13, 8, 4 und im Februar 2019) und bin 33 Jahre jung.
    Und ja, wir machen es auch so. Es ist eine unglaubliche Bereicherung und wir lernen uns selbst kennen und entwickeln uns weiter mit unseren Kindern.
    Mittlerweile ist es uns unvorstellbar anders zu sein. Und es kam auch aus uns selbst. Natürlich waren wir sehr kritisch gegenüber unserem System und dem was aus den Kindern gemacht wurde und wird. Und natürlich was unsere Erziehung mit uns gemacht hat.

    Wichtig ist denke ich, dass man nie stehenbleibt in seiner eigenen Entwicklung und nichts für gegeben hinnimmt. Das wir unseren Kindern helfen geistig freie, mitfühlend, wahrhaftige und selbstbestimmte Menschen zu werden bzw. zu sein. Die auch in der Lage sind hinter die Fassade zu schauen und nicht als Arbeiter oder Machthaber in einer konsumorientierten Welt untergehen, sondern sich die wirklichen Fragen stellen. Z. B
    Wer bin ich? Was ist Leben?…
    Es ist eine der größten Aufgaben der Menschen unsere Kinder nicht in ein krankes bestehendes System zu integrieren. Die Menschheit muss einen Schritt weiter gehen und das kann sie, wenn die Kinder zu vollständigen, gesunden (im holistischen Sinn) Erwachsenen gedeihen.
    Dann kann es einen Wandel geben. Vom Ich zum Wir, vom Nehmen zum Geben. Vom Werden zum Sein.
    Und wer dies selbst nicht lebt und lernt jeden Tag, wie kann er eine “gute” Mutter, ein “guter” Vater sein?
    Das einzige was es zu erziehen geben könnte, sind eigentlich nur wir selbst.
    Dann können wir den Kindern begegnen.. unvoreingenommen, unschuldig, wahrhaftig und im Jetzt.
    Am meisten lernen die Kinder durch ihre Beobachtung und Nachahmung….
    Also, wer sind wir?

    Ich wollte eigentlich auch nur auf noch einen sehr außergewöhnlichen Menschen hinweisen, der uns sehr in der Erziehung zum nach und weiterdenken verholfen hat:
    Jiddu Krishnamurti

    Vielen Dank und alles Liebe an alle Familien auf der Welt. Auf das sie gesund und glücklich sind🌞

    Katharina

  2. Hallo Ellen,

    mich hat dein Artikel sehr angesprochen. Auch ich versuche diesen Weg zu gehen, mit meinen Kindern auf Augenhöhe. Aber bis dahin war es ein weiter Weg für mich, denn auch ich hatte erstmal alte Verhaltensmuster, die ich aus meiner eigenen Erziehung noch kannte, abzulegen. Meine großen Töchter konnten also tatsächlich erst später von der bedürfnisorientierten “Erziehung“ profitieren, weil ich merkte, wie wir immer wieder aneckten, dass ich viel zu viel schrie und meine Drohungen doch nie ernst machte und meine Kinder mich deshalb nicht ernst nahmen. Das konnte so nicht weiter gehen und ich hab mich belesen, gelernt und ganz viel an mir gearbeitet. Der Lohn waren kooperative Kinder (meistens!😅) Jetzt lebt seit ca. 11Wochen Baby Nr. 3 bei uns und ich kann auf einen guten Wissensschatz, was ich für mein Kind will, zurückgreifen. Gestillt hab ich alle drei, aber erst jetzt hab ich auch die breifreie Beikost entdeckt und hoffe, dass ich sie erfolgreich beim dritten Kind anwenden kann. Man lernt halt nie aus! Vielen Dank für deinen Artikel. LG Tina

  3. Danke Für den schönen Artikel! Wir haben es genauso gemacht bzw. machen es noch so und ich muss ehrlich sagen „es war oft die Hölle!“.

    Ich bin in einer recht kinderfeindlich Umgebung groß geworden, in der extrem negative Glaubenssätze zu Kindern täglich zelebriert wurden. Deswegen fiel es mir oft schwer, meine eigene Erziehung zu unterdrücken, besonders, wenn bindungsorientiert eben anstrengend wird. Es war auch der totale Ritt, meiner Familie klar zu machen, dass es jetzt nicht so läuft, wie früher. Heute freue ich mich, wie gut meine Mutter und Großmutter diese andere Sichtweise auf Kinder annehmen und die „schwarze Pädagogik“ erkennen, aber es war harte Arbeit, genug Kraft aufzubringen und jedes Mal wieder einzuschreiten und zu erklären, wenn das seit 1960 trainierte „das macht man eben so“, „böses Mädchen“, „sie macht das mit Absicht“, „wer sich weh tut ist selbst schuld“, etc. anfing. Auch meinen Mann einzufangen, der mit „Quit pro Quo“ (oder weniger nett „so wie du mir, so ich dir“) groß gezogen wurde, war erst schwer und er war zuerst etwas skeptisch, manchmal kam noch das „jetzt reicht es, jetzt werden andere Saiten aufgezogen“ durch, wenn man an seine Grenzen kam. Ich weiß nicht, wie oft ich verzweifelt und kraftlos da saß und selbst weinte… Dazu kamen Freundinnen und noch übrige Verwandte aus der kinderfeindlich Riege, die blöde Sprüche machten. Erst vor zwei Jahren musste ich mir von einer Freundin anhören „bist du sicher, dass du noch ein Kind willst, du warst ja mit einem schon total überfordert“ während mir die Freundin erklärte, dass sie natürlich das zweite Kind genauso locker wuppen würde wie das erste…

    Tja, und nun? Nun ernte ich die Früchte unserer Arbeit und lache – oft zusammen mit meinem Mann, z.B. über die Ängste und kurzzeitigen Rückzieher, insbesondere was das selbstbestimmte Schlafen anging, das jetzt super klappt – oft lache ich still, aber etwas mitleidig, in mich hinein, wenn die Freundinnen sich nun bei mir ausweinen, dass die Trotzphase so fürchterlich sei und keine der üblichen kleinen Drohungen mehr helfen würde und nur noch massive Drohungen und Tränen im
    Stundentakt auf dem Tagesplan stünden.
    Am liebsten lache ich aber, wenn ich mal wieder total überrascht bin, wie toll meine Tochter mit mir Kompromisse aushandelt, wie lieb sie unsere Interessen einbezieht bei ihren Wünschen, wie sie selbstverständlich teilt, wie sie dennoch auf ihre Interessen besteht, wie herzlich sie ist und wie höflich (ohne sie jemals dazu „erzogen“ zu haben) sie nach etwas fragt – mit nicht mal 4 Jahren.
    Ich ernte die perplexen Gesichter anderer Mütter, die mich total verwundert fragen, wie man es hin bekommt, ein Kind so „gut zu erziehen“, denen ich dann antworte „nicht erziehen“.

    Es ist herrlich… ja… man macht es sich schwerer am Anfang als es sein müsste, aber nun lege ich die Füße hoch, freue mich auf Kind Nr. 2 und gehe total entspannt und resistent gegen jedes Unkenrufen an „Runde 2“ Stillen, Tragen, BLW, Familienbett, selbstbestimmtes Schlafen, unerzogen & Co.

  4. Hallo Ellen,

    Danke für deinen Blog – ich bin irgendwie durch Zufall draufgestoßen und werde mir noch alles – auch die anderen Kommentare- genau durchlesen. Ich bin in deinen Ausführungen voll bei dir 😃 und war ständig am Kopfnicken bis auf die Größe vom Familienbett (wir haben volle 3,00 m zusammengebastelt, aber schlafen ja eh alle immer gefühlt auf meinen 90 cm) 😋 und ich finde es garnicht schwarz weiß – für uns ist es so stimmig und das einfachste auf der Welt. Und ich hab das irgendwie alles so intuitiv angefangen ohne zu wissen wie es heißt, einfach intuitiv. Nur über Montessori mache ich mir Gedanken und lese mittlerweile.
    Mit der Überzogen-Thematik muss ich mich Mal befassen. Vielleicht hilft mir das weiter – ich bin selbst sehr streng und “bedürfnisunorientiert” erzogen und tu mir schwer immer richtig zu reagieren.

    Alles Liebe 😄 Sabrina

  5. Liebe Ellen,

    ich habe deinen Artikel gelesen und überlegt, was mich daran “stört” bzw ein komisches Gefühl hinterlässt. Denn tief in meinem Herzen stimme ich dir in allem zu, was du tust. Trotzdem ist mir die Sichtweise zu schwarzweiß. Als gäbe es nur die Option “Familienbett bis alle freiwillig ausziehen” oder “schreien lassen im Gitterbett”. Was ist mit “liebevoll im eigenen Bett in den Schlaf begleiten” wie es viele meiner Freundinnen tun? Brei essen führt zu Essstörungen? Die armen Eltern, die diese Studien nicht gelesen haben. Ich bin absolut bei dir, was den Umgang mit deinen Kindern angeht. Und deshalb glaube ich auch nicht, dass DU es dir zu schwer gemacht hast. Denn für dich ist das alles selbstverständlich und umsetzbar. Für viele Menschen ist das aber einfach “zu schwer”. Für sie wäre es ein unglaublicher (psychischer) Aufwand, aus dem, was sie selbst kennen, auszubrechen, wenn sie eigentlich keinen Grund darin erkennen. Ich spreche nicht von gewalttätigen oder psychisch kranken Eltern. Sondern Eltern, die das beste für ihr Kind wollen, ohne zu wissen, was “attachment parenting” ist und nach bestem Wissen und Gewissen handeln. Natürlich kommt da nicht immer das bei raus, was nach Pickler, Brisch und Montessori das optimalelste wäre. Aber gut genug sind diese Eltern für ihre Kinder ganz sicher. Ich möchte dich mit meiner Antwort in keinster Weise angreifen. Dein Weg ist für euch genau der richtige. Mir fehlten nur sämtliche Graustufen der Eltern, die es so gibt und die es auch super machen!
    Viele Grüße Henrike

    1. Vielen Dank für deine wertvolle Rückmeldung, liebe Henrike. Dieser Beitrag ist sehr persönlich und schildert meine Überlegungen als Mutter für unseren individuellen Weg. Es ging mir nicht um die Frage, gibt es Eltern, die es falsch machen, sondern um die Frage, was ist das Beste für meine Kinder.

      Natürlich hast du recht, der Text kann auch als Kritik an anderer Erziehungsweise gelesen werden, allerdings ist das nicht mein Ziel: Meine Texte richte ich an frischgebackene Eltern, die dabei sind ihren Weg zu finden.

      Ich werde mir deine Rückmeldung zu Herzen nehmen und bei künftigen Texten im Hinterkopf haben. Vielen Dank dafür!

      Alles Gute,
      Ellen

  6. Hallo Ellen,
    ich bin gerade ganz zufällig über pinterest auf diesen blogeintrag gestoßen und möchte dir dafür danken. Normalerweise bin ich eine ‘stille Leserin ‘, doch dieses Mal wollte ich dem Bedürfnis etwas dazu zu sagen, einfach mal nachgeben.
    Gerade als Erstlingsmama hat man es wirklich nicht leicht seinen Weg zu finden. Ich bin dazu noch Erzieherin und habe die letzten Jahre in einem Montessori Kinderhaus gearbeitet, was meinen Blick auf Erziehung und darauf, wie ich meine eigenen Kinder großwerden sehen möchte deutlich verändert hat.
    Dein Artikel macht mir Mut und spornt mich an bei dem zu bleiben, was ich mir für meinen Sohn vorgenommen habe und für ihn wünsche.

    Danke dir 🙂

    Liebe Grüße, Alina

    1. Hallo, ein toller Beitrag. Der Kommentar wiederum spricht mir aus der Seele: Familienbett war für den kleinen Mann nix, er ist ständig aufgewacht, war unruhig und irgendwie…naja, nicht glücklich. So wurde er mit sechs Monaten in sein eigenes Bettchen im eigenen Zimmer gelegt. Es wird vorgelesen, gestreichelt und gesummt, hingelegt und nochmal gestreichelt. Dauert 10-15 Minuten und funktioniert wunderbar. Er schläft von sieben bis sieben durch 😊 jetzt ist er ein Jahr. Sucht sich seine Bücher selbst aus, er putzt Zähne statt ich ihm das Teil rein zwinge, mache es ihm vor und er macht es nach. BLW hat bei uns leider nicht geklappt, er hat sich immer verschluckt und teilweise erbrochen, egal wie weich es war, also doch Brei kochen und versuchen Stück für Stück richtiges Essen zu reichen. Jetzt klappt alles prima. Das Töpfchen hat er gern. Er wird aber nur drauf gesetzt , wenn er möchte, ansonsten: Hosen wieder hoch. Anziehen mag er gar nicht, aber mit Reimen und Singen klappt es gut. Die Couch wurde ausgezogen, damit Mini mehr Platz zum Klettern und erkunden hat. So haben wir für uns und unser Kind einen, wiw ich finde, guten Mittelweg gefunden. Irgendwo in einer Graustufe ☺

  7. Hallo Ellen,
    ich mach das bei meiner Tochter auch so. Stillen, “Familienbett” (nennt man das bei Alleinerziehenden auch so?), BLW, soviel Selbstständigkeit wie möglich, dazu kommt noch Teilzeitwindelfrei.
    Was gibt es Schöneres als so auf sein Kind eingehen zu können? Ich kann mir nichts vorstellen, auch wenn ich mich manchmal ärger, dass sie scheinbar meine Dickköpfigkeit abbekommen hat 😉
    Die doofen Fragen bekomm ich auch alle gestellt nur um mir danach von den selben Menschen anzuhören, was ein liebes ausgeglichenes und fröhliches Kind ich habe 😀

    Ich finde das so auch viel einfacher, als die Vorstellung einfach alles für mein Kind zu bestimmen. Denn ich bin mir sehr sicher, dass die Welt sehr viel liebevoller wäre wenn es alle Eltern zu ihren Kindern wären!

    Liebe Grüße
    Sonja

    1. Vielen Dank für deine Zeilen, liebe Sonja! Es ist einfach schön von Gleichgesinnten zu hören.

      Und Familie ist man wohl auch wenn man „nur“ zu zweit ist, oder? Daher würde ich ein Familienbett genauso bezeichnen, völlig egal ob da zwei oder acht Menschen drin schlafen.

      Herzliche Grüsse aus Zürich, Ellen

  8. Ein schöner Beitrag. Ich gehöre tatsächlich zu den Mamas, die auf der Bettkante schlafen. Nicht, weil das Kind ins Bett kommt, nein, sie schläft da bereits ein, nur aus Platzgründen haben wir von einem neuen Bett abgesehen ^^’
    Ich habe das Gefühl, mich ständig im Spannungsfeld zwischen der “alten Erziehung” und den neuen Strömungen. “Was du stillst noch? Was, sie schläft bei euch im Bett?” und leider bei ein paar Fragen auch mit meinem Mann, dem ich oft zu viel mit der Kleinen rede, wenn sie einen Wutanfall hat, statt sie in ihr Gitterbettchen (wo sie ihren Mittagsschlaf macht) zu legen und schreien zu lassen. (Mit der Information, dass er wieder kommt, wenn sie aufhört.)
    Grundsätzlich läuft es bei uns jedoch anders. In unserer 3-Raum-Wohnung gibt es kein dezidiertes Kinderzimmer. Unsere Kleine schläft bei uns im Schlafzimmer, spielt im Arbeitszimmer in ihrer Spielecke oder aber im Wohnzimmer. Grundsätzlich ist sie einfach oft in unserer Nähe, was ihr sehr wichtig ist, und sucht den Kontakt immer wieder zu uns. Sie kommt in die Küche gucken, was wir machen, schiebt die Magneten am Kühlschrank herum, flitzt wieder in die Wohnstube und spielt oder fährt auf ihrem Zebra durch die Wohnung.
    Manchmal frage ich mich auch, ob ich es mir zu schwer mache. Wenn sie mich mal wieder anschreit und auf meine Fragen, was sie möchte und was denn los sei überhaupt nicht reagiert. Wenn sie auf meinem Arm sitzt und mal wieder eine Wutphase durchmacht, wo sie nicht weiß, wohin mit diesem Gefühl. Dann ärgere ich mich, dass sie nach mir schlägt, doch ich habe das Gefühl, dass es wichtig ist, sie durch diese Phase zu begleiten, um ihr die Chance zu geben, das einzuordnen.
    So wächst sie nun in einem Spannungsfeld aus teils alten Einflüssen und Beziehungsorientierung auf, und ich hoffe, dass die Mischung gut genug ist, um sie auf den rechten Weg zu geleiten. 🙂

  9. Liebe Ellen
    Generell: Vielen Dank für Deine Seite, die auch ästhetisch toll umgesetzt ist (und die Bastelanleitungen und Druckvorlagen finde ich sehr hilfreich)!
    Zu diesem Beitrag: Ich habe den oben verfassten Artikel vor ein paar Wochen gelesen und mir reumütig vorgenommen, dass ich etwas sanftmütiger, verständnisvoller, geduldiger und einfühlsamer mit meinem dreijährigen Jungen umgehen möchte (ich habe noch einen einjährigen, aber der ist noch im Buddha-Baby-Status…). Ich habe es probiert, aber es war eher kontraproduktiv (klar, es ist auch ein kurzer Zeitraum), und ich musste feststellen: Wenn ich nicht führe, führt er.
    Darauf habe ich mir überlegt, dass ich eigentlich nur Blogs zu der von Dir erwähnten Erziehungsmethoden kenne, die von Frauen verfasst worden sind, die Mädchen haben. Meine Frage: Kennst Du allenfalls Artikel, Blogs oder Ähnliches bezüglich Attachement Parenting, bedürfnisorientierte Erziehung, Montessori usw., die von einer Autorin/einem Autor geschrieben sind, die Jungs haben? Es würde mich einfach interessieren, wie deren Erfahrung ist (und ja, ich weiss, es gibt alle Arten von Mädchen und Jungs, aber ich habe manchmal den Eindruck, im Schnitt ist es doch eine etwas andere “Energie”; klingt jetzt vielleicht biz komisch und ist auch etwas schwer in Worte zu fassen). Für einen Tipp/Hinweis wäre ich sehr dankbar.
    Liebe Grüsse und alles Gute, Annina

      1. Kein Problem, liebe Ellen, lass Dir Zeit, es eilt ja überhaupt nicht. Und ich kenne die Situation sehr gut, wenn alle am kränkeln sind, dann kommt man zu gar nix… Ich wünsche Dir viel Mom-Power und allen schnelle Genesung!

        1. Liebe Annina,

          hier kommt schon das Resultat meiner Recherche: Reine Jungsmamas: http://www.emilundmathilda.com/, https://suchtdasglueck.at/bubenmamas-aufgepasst/, http://daphne-denkt.de/, http://daphne-denkt.de/, https://kidzchaos.com/, http://www.lalemie.de/, http://natuerlich-geliebt.blog, https://babytragendewunschkindmama.wordpress.com/, https://mama-juja.de/

          Und hier Blogs die beides haben: http://www.elternvommars.com, http://alovelyjourney.com/, https://geborgen-wachsen.de, http://mamahatjetztkeinezeit.ch/, https://kleinstadtloewen.blog/, http://www.123-windelfrei.de/2018/01/12/wir-ziehen-jetzt-durch-das-kind-muss-auch-mal-funktionieren/,

          Sehr viel ich weiss ;- ) Aber so hast Du eine schöne Auswahl.
          Ausserdem: Du bringst mich grad auf die Idee, ich werde einen Beitrag veröffentlichen “Blogs für #Jungsmamas”. Stay tuned also 😉

          Unter dem Hashtag #jungsmama solltest Du übrigens auf Insta fündig werden.

          Ich grüsse Dich ganz lieb und wünsch euch alles Gute!
          Herzlich,
          Ellen

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