Hilfe! Mein Kind tanzt auf der Nase rum. Wirklich? Schauen wir genau hin.

Kind tanzt auf der Nase rum Von Empathie, Selbstbestimmung, Gesundheit und der Wichtigkeit von Farben: www.chezmamapoule.com #attachmentparenting #aufaugenhöhemitdemkind #unerzogen #alfiekohn #montessori #empathie #respektvolle #erziehung #elternsein #familiesein #kinderverstehen

Kind tanzt auf der Nase rum! Was tun? An den blauen Pullover denken. Oder an unsere Geschichte mit dem blauen Strohhalm. Jawohl.

Neulich in einem Modegeschäft. Dieser blaue Pullover. Obwohl ich mich sonst gerne schwarz kleide, fand ich, dass dieses leuchtende Blau extrem meinen roten Haaren schmeichelte. Diesen Pulli muss ich einfach haben. An der Kasse händigt mir der Verkäufer aber einen gelben Pullover aus. Leicht irritiert, weise ich ihn drauf hin, dass es der falsche sei und ich den Blauen dort möchte. Er zuckt nur mit den Schultern und meint: Jetzt einfach bitte kein Drama machen. Und schon steckt ein gelber Pullover in meiner Einkaufstasche.

Ich also zur Filialleiterin, um mich bei ihr zu beschweren. Die Filialleiterin versteht mich aber genauso wenig. Dass ich den blauen Pullover will bzw. mich Gelb blass mache, scheint sie kein bisschen zu interessieren. Stattdessen klopft sie ihrem Mitarbeiter auf die Schulter und meint: Gut gemacht, sonst tanzen uns diese Kundinnen irgendwann noch auf der Nase rum.

Ich werde laut, verlange mein Geld zurück, verlasse den Laden. Frust breitet sich in mir aus. Ich fühle mich missverstanden, nicht ernstgenommen. Mir ist nicht mehr nach Einkaufen, sondern eher nach Heulen zumute. Mir wurde die Selbstbestimmung weggenommen. Ich fühle mich in meiner Würde verletzt. Und das obwohl ich 34 Jahre alt bin und kognitiv weiter als ein Kind.

Das Kind tanzt auf der Nase rum

Und wie geht es Kindern? Genau so. Sie fühlen sich nicht ernst genommen. Missverstanden. In ihrer Würde verletzt. Tagtäglich erleben Kinder sowas. Vor kurzem auch meine Tochter. Wir hatten Besuch und waren in der Küche. Ich schenkte uns gerade Wasser ein. Meine Tochter bestand erst leise und als ich nicht reagierte, lautstark auf ihrem blauen Strohhalm. Da ich so vertieft ins Gespräch mit unserem Gast war, musste sie laut werden. Denn versehentlich reichte ich ihr den Gelben.

Als in voller Lautstärke “BLAAAUE Röhrli!” ertönte, wurde alles still. Mir war das natürlich peinlich. Um meiner Tochter auf Augenhöhe zu begegnen, ging ich in die Hocke und fragte: “Dir ist der blaue Strohhalm sehr wichtig, stimmts?”

“Ja.”

“Und ich hab Dir einfach aus Versehen den Gelben gegeben.”

“Mhm.”

“Entschuldige bitte, hier hast Du den Blauen.”

“Dankeee!”

Meine Tochter sprang fröhlich davon. Und dann kam er. Dieser Satz, vor dem sich, beziehungsorientierte Mütter, fast genauso fürchten wie vor diesem da: “Was? Du stillst noch immer?”. Der Satz lautete: “Na, sie tanzt Dir ganz schön auf der Nase rum.”

Den sinngemässen Dialog mit meinem Gast bzw. meine Argumentation möchte ich mit euch teilen.

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Kinder wollen uns nicht auf der Nase rumtanzen 

Im Gegenteil. Worüber ich als Mutter schon etliche male staunen durfte: Meine Kinder wollen kooperieren. Und sie wollen nichts mehr als ihre Eltern glücklich machen. Uns lachen sehen. Mit uns zusammen kichern. Wissen, dass wir sie lieben.

Und wenn ich auf die Bedürfnisse meiner Kinder empathisch und wertschätzend eingehe, werden sie weder selbstsüchtig noch manipulierend. Denn Kinder werden erst mal in “gut” geboren. Und beim Aufwachsen reichen sie uns immer öfter den Spiegel. In dem sie genau das tun, was wir ihnen vorleben. Empathie und Respekt sind Dinge, die ich ihnen vorleben will.

Das alles sind einerseits meine subjektiven Erfahrungen als Mutter. Und  andererseits sind das direkte Zitate aus Alfie Kohns “Liebe und Eigenständigkeit*”. Das ist ein Buch, das mich sehr prägte. Ein Buch über das ich immer und immer wieder nachdenken und hier schreiben werde.

Ich muss sagen, dass ich unseren Gast sehr gerne mag. Und nicht erwarte, dass er meine Erziehungsweise teilt. Da liegen Generationen, Kulturen und Welten dazwischen. Er muss meinen Erziehungsstil nicht teilen. Aber er kann versuchen ihn zu verstehen. Und da wir Zeit hatten, erzählte ich meinem Gast, mein (natürlich fiktives) Erlebnis im Modegeschäft. Mein Gast empörte sich erst über den unmöglichen Verkäufer, bis ich zum Satz mit den an der Nase rumtanzenden Kundinnen kam. Eine unangenehme Ruhe bereitete sich aus. Ich bereute es, so belehrend und anhand Parabeln mein Elternsein zu erklären. Aber wisst ihr, was mein Gast zu mir sagte? “Danke. Danke dafür, dass Du Deine Tochter ernst nimmst.” Das hat mich zutiefst berührt.

Kinder wollen mitbestimmen

Dass Autonomie glücklich mache, las ich zum ersten Mal im Transkript von “Green Change – Strategien zur Glücksmaximierung” ein Buch, das mein Ehemann geschrieben hat. Darin erzählt er u.a. über die Forscher Ryan und Deci. Diese zeigten mit ihrer vielzitierten Theorie auf, dass Selbstbestimmung ein ungemein wichtiges inneres Bedürfnis sei. Und dass es für unser Wohlbefinden, ja gar für die psychische Gesundheit entscheidend sei. Lassen wir unseren Kindern mehr Selbstbestimmung zu, tun wir also etwas für ihr Glück UND für ihre Gesundheit.

Und wenn ich es mir so recht überlege, können Kinder extrem wenig selber bestimmen. Beinahe alles wird für sie organisiert und ihnen abgenommen: Ob sie heute in die Kita oder mit der Oma in den Park gehen. Ob es heute Risotto oder Ravioli zum Mittag gibt. Ob sie eine grüne oder orange Winterjacke kriegen bzw. von ihren Geschwistern vererben. Tagesablauf. Betreuungspersonen. Wohnformen. Freizeit. Wann die Sommerferien vorbei sind. Kinder haben auf die grossen Fragen praktisch null Einfluss. Können sie auch nicht. Denn das sind primär unsere Aufgaben. Und gerade deshalb: Immer wenn sich in unserem Alltag ein kleines Autonomie-Fenster öffnet, ein Fenster in dem meine Tochter selber bestimmen kann, dann lasse ich ihr dieses liebend gerne offen. Und sei es der blaue Strohhalm. Der für sie notabene genau so wichtig sein kann, wie der blaue Pullover für mich.

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Diskussion

Woher kommt diese Urangst von an der Nase rumtanzenden Kindern? Von wo kommt dieses Bild des Kindes? Woher diese altmodischen Werte, die den Kindern unterstellen, böse zu sein, verzogen zu sein, kleine Tyrannen zu sein? Und weshalb sind wir alle der Meinung, dass Kinder sich ändern müssen, die Erwachsenen sich aber weder hinterfragen noch an sich arbeiten sollen? Das sind Fragen die mich derzeit beschäftigen. Über Austausch mit euch würde ich mich freuen.

Ellen Girod
Ellen Girod ist eine freie Journalistin und Mutter. Sie fühlt sich geschmeichelt, wenn man sie als "Gluggere" bezeichnet. Daher auch der Name dieses Blogs.

32 Kommentare

  1. Auch ich möchte mich für diesen hilfreichen Text bedanken, der mir Kraft schenkt, weiterhin bedürfnisorientiert meinem Kind zu begegnen – leben wir doch immer noch in einer Gesellschaft, in der sich doch bitte das Kind dem Erwachsenen anzupassen hat und zu folgen hat, wann auch immer ich befehle. Ich werde mir nun äquivalente Beispiele für all unsere Situationen einfallen lassen.

    Eine Frage aber:
    Der oben beschriebene Lösungsweg (Ermöglichen der Entscheidung und Akzeptanz der Wichtigkeit einer Gedankenrichtung des Kindes) funktioniert bei uns oft nicht. Die Frage ist, ob mein Kind mit 2 Jahren noch zu jung ist oder das eine Charaktersache ist?

    Bsp 1: Wir sind 3 Tage im Urlaub auf dem Bauernhof, 2,5 davon regnet es, man möchte aber doch gerne die Angebote nutzen und endlich bei Sonnenschein das Kind rausbewegen. Dieses möchte aber lieber nackt (nachdem es die Wickelaktion abgebrochen hat) auf dem Bett herumtollen. Viel Zeit vergeht, bis es droht, die Rausgehmöglichkeit zu verpassen. Erklären, Ablenken, Einbeziehen und Entscheidungsoptionen aufzeigen etc. prallt ab – stattdessen Ohren zu und springen, springen, springen. Manchmal sind einfach solch Situationen völlig anstrengend, hat man ja als Mutter meist noch eine weitere (wichtigere) Intention im Hinterkopf – wie hier z. B. dass das Kind eben gewickelt werden muss um nicht in das fremde Bett zu machen.

    Bsp 2: Jeden Tag beim heimkehren haben wir 3 Stockwerke ohne Aufzug zu bewältigen. Zu 80% der “Gänge” und schon monatelang bleiben wir wirklich ewigst auf der Treppe hängen, um sich das Loch im Parkett anzuschauen, dann das “Bitte Füße abstreifen”-Schild zu “lesen”: “Ein-bah-stasse” oder einfach da zu liegen, fast zu provozieren. Manchmal ist es schon spät, man hat noch einiges mit dem Kind für´s Bettgehen vor, manchmal ist man sehr in Eile etc.

    Insgesamt also die Frage: wenn die oben beschriebene Zurederei / Einflussnahmemöglichkeit etc. völlig abprallt – wird es mit der Zeit besser oder haben wir da einen besonders sturen Kopf?

    Alles Gute weiterhin, ich freue mich auf mehr Themen!

    1. Danke, liebe Marie : )

      Deine Fragen sind so wichtig und würden die Kommentarfunktion sprengen. Soviel vorab: Doch Kinder wollen kooperieren! Wir müssen uns nur von Erwartungen lösen, dass sie uns folgen müssen (denn sie sind ja keine Hunde o.ä.) und ihnen auf Augenhöhe begegnen (d.h. so wie wir wollen würden, dass man uns selbst begegnet). Oftmals übersehen wir kindliche Kooperation oder haben falsche Vorstellungen davon, was ein Kind schon können soll. Ein sehr toller Artikel dazu findest Du bei Katja und Danielle: https://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2015/09/mein-kind-kooperiert-nicht-warum-kinder-scheinbar-nicht-kooperieren-wollen-teil-1-der-serie.html

      und hier noch einer zum Thema Treppensteigen:
      https://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2015/10/mein-kind-will-immer-getragen-werden-tipps-und-tricks-fuer-kinder-die-nicht-die-treppe-allein-hoch-laufen-wollen.html

      Alles Gute für euch!
      Ellen

  2. Liebe Ellen, vielen Dank für diesen Artikel, der mir einmal mehr ein paar ‘Aha-Erlebnisse’ schenkt.
    Was ich mich allerdings immer und immer wieder frage (und irgendwie nie eine richtige Antwort darauf finde) ist, wie das mit den Erwachsenenbedürfnissen im Einklang stehen soll?
    Ich lese immer Situationen und Tipps & Tricks, warum man wie auf welches Bedürfnis der Kinder eingehen soll und was daraus resultiert. Aber ich lese nie, wie man den Kindern ‘richtig’ beibringt/vorlebt/zeigt, dass auch wir Eltern Bedürfnisse haben.
    Konkretes Beispiel: Überall kann man lesen, dass man sich in Konfliktsituationen lieber kurz zurückziehen und Luft schnappen soll, bevor die Emotionen überschwappen und man die Kinder womöglich anschreit. Aber was ist, wenn die Kinder einem diese (seeeeeehr kurze) Pause nicht gönnen wollen/können?
    Letztens habe ich mich fürchterlich über meine zwei Jungs (2.5 und 3.5 Jahre alt) geärgert und wollte nur kurz ins Bad, damit ich mich beruhigen und durchatmen konnte. Kaum war die Türe zu, riegelten die beiden schon wieder an der Türfalle herum und machten Radau, bis ich die bedrohlich wackelnde Türfalle nur noch retten konnte, indem ich mich wieder in die Situation begab, aus der ich doch eigentlich kurz flüchten wollte. Alles reden und erklären ist nicht auf offene Ohren gestossen.
    Vielleicht magst du mal darüber berichten, wie du in solchen Situationen die Ruhe bewahrst und was deine Tipps sind? (Falls du das bereits irgendwo getan hast, sorry, habs bisher nicht gefunden.) Würde mich sehr interessieren.
    Alles Liebe, Anja

    1. Liebe Anja,

      vielen Dank für Deine Gedanken und Fragen. Sehr wertvoll, sehr wichtig! Und in der Tat wäre das ein gutes Thema für einen ganzen Artikel, schreib ich sicher mal. Kurz ein Paar Gedanken vorab. In solchen Situationen bin ich auch oft. Und ich bin dann auch überfordert. Ich versuche dann – u.a. bei J.Juul findest Du viel zum Thema – authentisch zu bleiben. Sage dann sowas wie: Ich bin gerade kurz überfordert / wütend / sprachlos / traurig und brauche einen Moment für mich. Das verstehen meine beiden (2&4) mehr oder weniger gut. Ins Badezimmer würden sie mich allerdings auch nicht lassen. Ich weiss nicht, vielleicht liegt es an kleinen Räumen die man einschliessen kann, aber das Badezimmer ist einfach ein Tabuort. Ich hab bisher auch keine Mutter getroffen, die alleine im Badezimmer sein kann. Ich würde dann aufs Sofa oder in mein Büro fliehen. Und in Deinem Fall: Vielleicht Deine Jungs einfach fragen: “Ich bin gerade xy und brauche einen Moment für mich um runter zu kommen. Was ist euch leiber, dass ich aufs Sofa oder Balkon kurz gehe? Ich bin dann ganz schnell wieder bei euch.” Und vielleicht auch in einer ruhiger Minute dann – also wenn die Wogen geglättet sind – mit ihnen darüber reden, was da war. Also dass Du wütend / x / y wurdest und in solchen Momenten ein paar Minuten Ruhe brauchst. Und dass Du nachher aber wieder voll für sie das bist und ihr über den Konflikt gemeinsam reden könnt. Also sie quasi vorbereiten, dann geben sie Dir beim nächsten Mal diese Zeit und Raum.

      Im Allgemeinen ist es so, dass Bedürfnisse (von uns allen, also von der Schwester, von mir, von meinem Mann, von Leuten in der Sbahn etc.) hier ein grosses Thema sind. Also wir besprechen das immer wieder. (Auch beschreibend: “Siehst Du, Papa braucht jetzt das. Mama braucht das. Wir suchen gerade einen Kompromiss, dass es für alle stimmt.” “Ah siehst Du, nun haben wir die Lösung x gefunden, jetzt lächelt Papa weil, er froh ist, dass er y kann.”

      Ich denke, Empathie und Kompromisse sind für Kinder sehr abstrakt und sie brauchen hier ihre Zeit, wir dürfen da auch nicht zu viel erwarten. Aber sie sind unglaublich kooperationsbereit, d.h. sie WOLLEN uns förmlich glücklich machen und nicht nerven oder gar auf der Nase tanzen. Deshalb: Kontinuierlich über das Thema “Bedürfnisse” reden, schon mit den Kleinsten. Denn bedürfnisorientiert heisst Bedürfnisse aller Familienmitglieder zu berücksichtigen und nicht nur diejenigen der Kinder.

      Dass das nicht einfach ist, ist klar. Manipulation mittels Strafen, Belohnungen à la früher wären natürlich viel einfacher, aber kommt für mich schlicht nicht in Frage. Denn nur so lernen meine Kinder von klein auf Kompromisse und Lösungen zu suchen, Konflikte nicht zu scheuen, Empathie. Und so fühlen sie sich ernst genommen und respektiert. Die beste Basis um selbst respektvolle Menschen zu werden.

      Im obigen Text ist es aber so, dass es mich ja nichts kostet meiner Tochter einen anderen Strohhalm zu reichen, für sie ist das aber von enormer Wichtigkeit. Da ihre Selbstbestimmungs-Zome sonst schon sehr klein ist. Es wird aber von der Gesellschaft erwartet, dass ich ihr einfach irgendeinen Strohhalm gebe und das Kind zu gehorchen hat. Dass dies nicht unser Weg ist, wollte ich anhand des Beispieles aufzeigen.

      Wow, der wurde jetzt lang. Ich hoffe, Du kannst etwas damit anfangen?

      Und ich schreibe wirklich mal einen Artikel dazu. Danke für die Inspiration, liebe Anja!

      Liebe Grüsse aus Zürich,
      Ellen

  3. Dein Text regt echt zum Nachdenken an und ich finde auch, dass wir Erwachsenen uns immer mal wieder hinterfragen sollten.
    Ich bin nur unsicher, wie weit wir gehen sollten, die Wünsche unserer Kinder in ähnlichen wie von dir beschriebenen Situationen zu erfüllen. Was, wenn es gerade keinen blauen Strohhalm gibt oder der rote Teller noch schmutzig im Geschirrspüler steht? Ich versuche es meinen Kindern dann zu erklären. Manchmal ist der andere Teller okay, oft aber auch nicht und es gibt ein Drama. Wenn man das zurück übersetzen würde, müsste ich mich Montag Morgen auch damit abfinden, den gelben Pullover anzuziehen, wenn der blaue Pullover gerade in der Wäsche ist. Oder denkst du, der Unterschied liegt darin, dass ich den Pullover hätte waschen können, meine Kleinen den Teller aber nicht unbedingt? Echt ein interessantes Thema.

  4. Ein wundervoller und so wahrer Text.
    Ich bin selbst Mama von 2 wundervollen Kindern.
    Ich erwische mich sehr oft dabei wie ich versuche meinem größeren Kind alles abzunehmen, in dem Glauben ihm zu Helfen. Dabei passiert genau das Gegenteil.
    Danke, für diesen tollen Text und dieser so wichtigen Botschaft!
    Ich werde mich jetzt öfter an den blauen Strohhalm erinnern!!!

    Liebe Grüße Vivien

  5. Danke für den tollen Text. Als zweifache Mama und Erzieherin muss ich mich auch immer wieder daran erinnern, wie wichtig es ist. Wie hier schon geschrieben wurde ist es gerade in stressigen Situation nicht immer einfach. Deinen Text werde ich auf jeden Fall meinem Mann zum lesen geben.

  6. Ein ganz toller Text, danke dafür. Ich weiß auch nicht, woher das kommt, dass alle (die westliche Kultur) Angst haben, die Kinder würden ihnen auf der Nase rumtanzen… Vermutlich aus dem Alter der schwarzen Pädagogik… Oder weil hier eh keiner aus der Reihe tanzen soll, nicht nur Kinder nicht auch Erwachsene nicht.

  7. Ich glaube diese Grundhaltung , dass Kinder kleine Tyrannen sind kommt noch aus dem bürgerlichen Umfeld des 19. Jahrhunderts….da sollten die Kinder nicht stören, gehorchen und wurden eigentlich wie kleine Erwachsene behandelt.

  8. Toll geschrieben.
    Ich ertappe mich auch immer wieder dabei….gerade wenn die Nerven etwas dünn sind. Nicht richtig hinzuhören, was meine Tochter mir gerade damit eigentlich sagen will, wenn sie sich mal wieder tierisch aufregt und ihr Essen über dem ganzen Tisch verteilt.

  9. Ein ganz wunderbarer Text, vielen Dank dafür ❤️❤️❤️!!
    Das Beispiel mit dem Pullover finde ich super und ich hoffe dass bald jemand zu mir sagt, meine Kinder würden mir auf der Nase rumtanzen wenn ich sie selbst entscheiden lasse was sie anziehen wollen. Dann werde ich ihnen diese kleine Geschichte erzählen 😀

  10. Dein Text hat mir gerade die Augen geöffnet.
    Sehr, sehr guter Artikel. Super geschrieben. Vielen Dank dafür!
    Mein Mann und ich handeln intuitiv schon immer nach diesem Schema. Wir verachten es unser Kind etwas überzustülpen oder gar zu etwas zu zwingen was es nicht will. Ich für mein Teil habe immer eine ganz schlechtes Gewissen wenn es mal nicht anders geht, anschnallen im Auto oder Windel wechseln wenn sie sich eigentlich UNBEDINGT spielen will. Ich will meine größere Kraft meinem Kind gegenüber nicht auspielen!
    Erst vor ein paar Tagen habe ich mit meiner Mutter darüber diskutieren, dass wir unser Kind (2 Jahre alt) zu viel selbst entscheiden lassen. Aber wenn ich die Möglichkeit habe frage ich meine Tochter welche Jacke sie anziehen möchte oder ob sie zu Oma oder lieber in den Garten will. Und ja so einfache entweder-oder-Entscheidungen kann sich schon treffen und sie zieht die Jacke einfach viel schneller an wenn sie entscheiden darf.
    Deine fiktive Geschichte werde ich mir auf jeden Fall merken und bei Gelegenheit selbst verwenden. Vielen Dank nochmal!
    LG Katharina

  11. Ein toller Text! Danke! Das Beispiel werde ich gerne aufgreifen. Auch ich durfte mir schon (teils von Ärzten) diese Kommentare anhören zu “aus der Nase herumtanzen”. Und ich müsste sehr herzlich lachen, denn tatsächlich ist die Frage nach dem “noch immer Stillen” genauso gefürchtet. Sehr schön den Nagel auf den Kopf getroffen!

    Ich glaube diese Angst vor der Übermacht des Kindes ist einfach die Angst vor Kontrollverlust. Kontrolle ist das einzige Tool, das wir seit Jahrhunderten (glauben zu) beherrschen. Es wird ganz selbstverständlich in allen Bereichen des Lebens angewendet. Fast jeder “Bericht”, den ein Mitarbeiter abgibt, ist ein Kontrollinstrument (die wenigsten Vorgesetzten nutzen Berichte zur Synthese von Erkenntnissen – dazu sind sie auch nicht gut geeignet..). Egal ob Vorgesetzter, Kunde, Nachbar, Polizei,… Kontrolle ist das, was gelernt haben. Kontrolle muss sein. Und von Kontrolle erhoffen wir uns zumeist, dass es unser Sicherheitsbedürfniss erfüllt.

    Leider ist Sicherheit etwas, das nie erreicht werden kann. Umso versessener sind wir darin, alle möglichen Maßnahmen zu fassen und sie zu kontrollieren um uns wenigsten sicher zu fühlen.

    Und Unsicherheit kommt in vielen Formen daher. Eltern wollen ein sicheres Leben für ihre Kinder, der Staat will ein sicheres Land, der Nachbar eine sichere Wohngegend, der Cheff / der Mitarbeiter will ein sicheres Auskommen, usw.
    Gerade in den letzten Jahren wird die allgemeine Unsicherheit wieder größer. Kein Wunder: an vielen Stellen wird erkannt, dass Machtausübung und Kontrolle nicht glücklich macht und auch irgendwie wirkungsloser wird. Nicht nur bei Kindern, auch im Job wird Selbstbestimmung plötzlich zum Thema, politische Unsicherheit und das nationale Bedürfnis nach Selbstbestimmung (Brexit, Einwanderer, Trump’sche Politik) nehmen zu. Sicherheit und Kontrolle sind in stetigen Kampf.

    Die Lösung? Unsicherheit annehmen? Selbst wenn es das eigene Leben und das meiner Kinder betrifft? Loslassen?
    Oder sichere “Orte” schaffen ohne Kontrolle? Die Basis schaffen, dass wir uns alle sicherer fühlen? Die Bedürfnisse aller beachten?

    Harrari schildert es in seinen “21 Lektionen für das 21. Jahrhundert” gut: Selbst als viele Europäische Staaten von sich sagten, sie wären eine Demokratie, wurden zb Kriege gegen Kolonien geführt, Andersartigkeit diskriminiert und mir wird immer noch übel, wenn ich daran denke, seit wann Frauen eigentlich erst wählen dürfen. Bedürfnissorientierung fängt bei Kindern an – aber es geht so viel weiter.

    Ich sehe das Thema deswegen nicht nur im Kontext “ich will, dass mein Kind glücklich wird” – ich möchte auch, dass Wir als Menschen dies schaffen. Man stelle sich nur mal vor, alle Menschen würden aufwachsen ohne “wenn-dann”, ohne “sei so-und-so, damit du geliebt wirst” sondern mit einem inneren Gefühl von Wertschätzung, Selbstbestimmung und gelebter Kooperation bei den Bedürfnissen aller. Utopie – ganz klar. Aber wie unrealistisch sie ist, sieht jede Mutter, die ein Kind betrachtet, dass bedürfnissorientiert groß gezogen wurde…

    1. Hab vielen Dank, liebe Nira. Hab Deinen Kommentar mit Freude – während des Einschlafstillens – gelesen. Ja Kontrolle bzw. Vertrauen sind zwei wichtige Themen. Und wie Du so schön sagst, es geht nicht um glückliche Kinder/Kindheit sondern um die zukünftige Generation und somit die Gesellschaft von morgen. Danke für den anregenden Kommi! Und auf bald, Ellen

  12. Liebe Ellen. Kurz und knapp : Auf den Punkt gebracht. Danke… Ganz grosser Text! Es hilft, wenn wir “Grossen” uns öfters mal hinterfragen, als einfach dermassen über unsere Kinder verfügen, was wir selber nie akzeptieren und mit Empörung von uns weisen würden. Chapeau, weiter so! Liebgruss, Anna

  13. Ich danke dir herzlich für deinen Text. Mir kullern die Tränen über meine Wangen. Du sprichst mir so sehr aus dem Herzen. Empathie ist eine grosse Führerin. Bei mir sind schon 30 Jahre vergangen, wo meine 3 Söhne Kinder waren. Es war nur oft nicht möglich, teils aus Überforderung und teilweise aus der eigenen kindlichen Erfahrungen welche mit der Mutterschaft unweigerlich an die Oberfläche gespült wurden. Das Bewusstwerden der permanenten erlebten Übergriffe und dann STOP sagen…. Und ein feines Gespür entwickeln und nicht mehr weitergeben… Das ist für mich Lebensqualität nicht nur gegenüber den eigenen Kindern ich spür das ist auch für alle Lebewesen sehr hilfreich. Was habe ich denn zu verlieren. Diese Empathie schenke ich im Grunde genommen nur selber. Du schreibst das sehr schön. Auf Augenhöhe sein. 🕊️

  14. Ein wunderbarer Artikel, ganz herzlichen Dank!

    Wir alle wünschen uns, dass aus unseren Kindern glückliche, selbständige und durchsetzungskräftige Erwachsene werden. Wenn wir aber ihre Bedürfnisse, Wünsche und Entscheidungen konstant ignorieren, weil wir denken, zu “wissen” was unser Kind braucht/wünscht/möchte, machen wir sie noch kleiner und unwichtig.

    Das wollen wir nicht? Warum verhalten wir uns dann so? Weil es die vor uns immer getan haben?

    Wie sollen unsere Kinder als Erwachsene für ihre Bedürfnisse einstehen, wenn sie es nie gelernt haben. Kinder sind fertige Persönlichkeiten. Behandeln wir sie so!

  15. Danke! So treffend, wie du das beschrieben hast. Mehr gibt es nicht zu sagen, du hast es bereits auf den Punkt gebracht. Ich sehe mich 1:1 im Alltag mit den Kindern. Manchmal braucht es einfach auch ein Innehalten von uns Erwachsen. Und manchmal öffnet auch eine Pulligeschichte die Augen, obwohl gedacht wird, man habe die richtige Sehensweise. Danke!

  16. Hallo und DANKE für deinen Text!
    Es ist gruselig wie offensichtlich es ist und wie wir als Erwachsene trotzdem oft so unüberlegt handeln. Obwohl ich noch ganz genau weiß, wie ich mich gefühlt habe, wenn ich in Situationen bevormundet wurde, von denen ich überzeugt war, auch mal entscheiden zu können. Es wirklich zu KÖNNEN, aber dann eben nicht zu dürfen.

    Ich wünsche mir sehr, dass ich ebenso zu meiner Tochter zurückkehren kann, ihre Welt respektieren kann und dies vor allem vor anderen zu vertreten, wenn ich sie übergangen habe, obwohl sie es hätte entscheiden KÖNNEN.
    Sie ist erst 1 Jahr alt und ich merke jetzt schon, dass sie gewisse Präferenzen hat, die ich manchmal idiotischerweise übergehe (weil ICH der Meinung bin, dass sie jetzt auch mal kurz mit der blöden Blume spielen kann, anstatt mit ihrer geliebten Plastikente… warum?? Es macht keinen Sinn…)
    Und du hast noch etwas wundervolles getan: du hast deiner Tochter gegenüber zugegeben, dass du ( als “große perfekte Erwachsene”) einen Fehler gemacht hast und ihr gezeigt, wie man einen Fehler zugibt und ausbügelt. Ohne sie zu belehren.

    Danke fürs erinnern ♡

  17. Danke für diesen Text, dein Gedankenspiel trifft den Nagel auf den Kopf! Selbstbestimmung ist so wichtig, grad und vorallem für unsere Kinder und deren Entwicklung.
    Ich glaube ja, dass diese Angst, dass die Kinder einem auf der Nase rumtanzen tief verwurzelt ist, irgendwo im letzten Jahrhundert. Als verlangt wurde, unsicher gebundene Kinder ohne eigene Meinung großzuziehen. Da die ja besser ins System passten. Und waren Kinder eben Kinder und verhielten sich so, war klar, dass die Eltern versagt haben. Und wer will schon gern versagen? Und ich glaube auch, dass es viel auch mit Macht und altem, familiären Hierarchiedenken zu tun hat. Da hatten die Eltern das Sagen und die Kinder hatten zu gehorchen. Und taten die Kleinen das nicht, wurde bestraft, um deutlich zu machen, wer das Sagen hat. Und das ist noch tief in vielen verwurzelt. Und viele haben es auch selbst nie anders kennengelernt. Sich daraus zu befreien ist nicht einfach und erfordert einiges an Selbstreflexion. Das kann und hat nicht jeder.
    Auch die Sicht auf Kinder war eine andere als heute. Sie wurden eher wie kleine Erwachsene behandelt, sie mussten frühzeitig im Haushalt und Betrieb arbeiten, Kindheit wie wir sie heut kennen gab es nicht.
    Ich denke, dass da einiges und bestimmt auch noch andere Gründe, eine Rolle spielen für diese Sichtweise. Leider.
    Andererseits gibt es aber auch ein Umdenken, hin zur Bedürfnisorientierung und Beziehung statt Erziehung. Und das ist klasse 🙂
    Du trägst mit deinen Beiträgen dazu bei und das find ich toll, danke dafür ❤
    LG Claudia

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