Kita-Eingewöhnung ohne Tränen? Die Mutter ist eingewöhnt.

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Kinder können ohne Drängen, ohne Zwang, dafür mit Achtsamkeit und Geduld eingewöhnt werden. Unsere Eingewöhnung in drei Akten. Und wie ein Fensterscheiben-Ritual unsere Kita-Eingewöhnung ohne Tränen ermöglichte. 

Heute früh in der Kita. „Jetzt kannst du gehen, Mama“ meine Tochter lächelt mich an, streckt ihre kleine Hand aus und pustet mir einen Luftkuss zu. Schon verrückt, vor drei Wochen schien eine Kita-Eingewöhnung ohne Tränen unmöglich, ich überlegte mir meine Tochter wieder abzumelden und googelte ein mal mehr homeschooling und kindergartenfrei. Doch schön der Reihe nach.

Der erste Akt: Gescheiterte Eingewöhnung in der Waldkita

Vor rund einem Jahr, als meine Tochter zwei wurde, begann ihre Eingewöhnung in einer Waldkita. Es war mein Traum: Die Kinder sind den ganzen Tag draussen, spielen frei mit Naturmaterialien, kein Plastik weit und breit, stattdessen bio und vegi Mittagessen vom Lagerfeuer. Ich meldete meine Tochter für einen Tag pro Woche an. Um dann langsam aufzustocken, halbe Tage waren nicht möglich. Voller Freude nahm ich den einstündigen Weg zur Kita, denn ich war überzeugt: ich liebe den Wald und vertraute dem sympathischen Team unserer Waldkita.

Doch die Kita-Eingewöhnung scheiterte. An der Erzieherin lag es nicht: Sie gab sich grosse Mühe, war verständnisvoll und geduldig. Doch durch die Tatsache, dass sie parallel ein zweites Kind eingewöhnen musste und Kinder, die erst kürzlich eingewöhnt wurden, jedesmal stark weinen mussten, als ihre Eltern gingen, war sie stark gefordert. Zwei Monate lang gingen wir Donnerstags in den Wald, doch von einer Trennung wollte meine Tochter nichts wissen. Ich sah, wie Eltern deren Kinder parallel mit meiner Tochter eingewöhnt wurden, sich verabschiedeten und wegliefen, ihre Kinder schrien und weinten, die Erzieher mussten sie in einer Art Schwitzkasten festhalten.

Das war für mich keine Option, also blieb ich entsprechend bei meiner Tochter. Bis zu zwei Stunden dauerte es, ehe es für sie ok war, dass auch ich mal gehe. Was natürlich recht unschön war. Ich versuchte mein Verhalten in der Kita zu ändern: Anstatt wie bisher meine Tochter aktiv zu begleiten und mit ihr bzw. mit anderen Kindern zu laufen und zu spielen, nahm ich fortan ein Buch mit und las etwas abseits des Kita-Platzes darin. Manchmal zog ich mich immer mehr zurück, sodass ich plötzlich ganz von der Bildfläche “verschwand”. Auch das ohne Erfolg: Meine Tochter wollte nicht, dass ich gehe. Sie schien sich in der Waldkita nicht sicher zu fühlen.

Ich befragte meine Freunde, unsere FB-Gruppe. Nur ein Tag pro Woche sei zu wenig, meinten die einen, in den sechs Tagen die dazwischen liegen, würde meine Tochter alles wieder vergessen. Besser erst mit drei Jahren eingewöhnen, schlugen die anderen vor, denn die Tatsache, dass gerade jetzt das Babygeschwisterchen auf die Welt kam, wäre suboptimal. Mit zwei Jahren sei sie schon viel zu alt, sagten andere, ich hätte sie früher in die Kita schicken sollen. Wiederum andere sagten, weil die Kita jedesmal an einem anderen Ort im Wald stationiert war, wäre meine Tochter verunsichert und die Eingewöhnung entsprechend erschwert.

Langsam aber sicher kamen bei mir Zweifel auf. Liegt es an mir? Bin ich doch zu sehr eine Glucke? Gibt es überhaupt tränenfreie Eingewöhnungen? Ich wollte mit dieser Kita meine Tochter auf den Tag vorbereiten, an dem sie ohne mich stehen wird. Ihr die Möglichkeit geben, Beziehungen auch ausserhalb von Zuhause aufzubauen. Und daran schien ich gerade mächtig zu scheitern.

Irgendwann kam Tag x, ich sagte zu meiner Tochter, dass ich jetzt gehen möchte, woraufhin sie wieder in Tränen ausbrach (nicht trotzend, sondern panisch). Ich hatte keine Geduld mehr. Das Kita-Team hatte keine Geduld mehr. Nächste Woche würden neue Eingewöhnungen beginnen, da werde man für uns noch weniger Zeit haben. Man riet mir, dass schnelles Verabschieden und weinen lassen wohl das Beste wären. Ich sah meine Tochter an, sie weinte verzweifelt. Es war kein trauriger oder wütender Abschiedsschmerz. Da war Panik in ihren Augen.

Ich hatte diese Vorstellung meiner Tochter, die freudig und aufgeregt in die Kita rennt. Und jetzt soll ich sie schreiend im Wald zurücklassen? Was mache ich? Warum blieb meine Tochter problemlos mit ihren beiden Grossmüttern, mit ihrer Patentante? Manche sah sie nur alle vier Wochen und ging ohne grosse Eingewöhnung und mit Freude für einen halben Tag in den Zoo mit. Und mit keinem dieser Menschen habe ich sie unter Zwang und Tränen zurück lassen müssen. Nein, das alles fühlte sich einfach nur falsch an. Ich werde nicht von ihr weglaufen, wenn sie nach mir ruft. Ich werde unsere Beziehung und ihr Vertrauen nicht brechen. Und ihr die Freude an der Kita erst recht nehmen. Also fragte ich meine Tochter, ob sie lieber mit mir nach Hause will, worauf sie ein erleichtertes “Jaaa!” heulte. Und wir davon liefen.

Aufgelöst rief ich meinen Mann an. Ich fühlte mich wie eine Versagerin. Mache ich es uns allen zu schwer? Habe ich unsere Tochter zu sehr an mich gebunden? Wird sie nie in den Kindergarten gehen können? Was machen wir jetzt, die Kündigungsfrist läuft erst in drei Monaten ab?

Der zweite Akt: Die neue Kita in der Stadt und das Berliner Modell

Ein Betonklotz in der Stadt, recht viel Plastikspielzeug, nicht alles ist bio, manchmal gibt es (leider) Fleisch: Das ist die neue Kita meiner Tochter. Ein halbes Jahr nach der Waldkita-Erfahrung, starteten wir einen zweiten Anlauf. In einer stinknormalen Kita. Welche meinen Idealvorstellungen zwar weniger entspricht. Aber dafür ein durchdachtes Eingewöhnungskonzept hat, das sich Berliner Modell nennt.

Und von dem ich im Nachhinein restlos überzeugt bin. Denn es lässt dem Kind und den Eltern (!) die Zeit, die sie brauchen. Und es wird systematisch drauf hingearbeitet, dass das Kind eine Bindung zu seinen Erzieherinnen aufbaut. Und dass sich auch die Eltern eingewöhnen können.

Hier die Eckdaten des Berliner Modells, wie es in unserer Kita umgesetzt wurde:

  • Die Eingewöhnung fand an vier aufeinanderfolgenden Tagen pro Woche statt, unabhängig davon, dass meine Tochter später nur an einem Tag pro Woche in die Kita gehen würde.
  • Diese intensiven Wochen finden in der Regel zwei bis drei Mal nacheinander statt. Danach wird jeweils entschieden, ob das Kind soweit ist oder ob es mehr Zeit braucht. (In unserem Fall waren es zwei Wochen, was im Nachhinein aber doch eher zu wenig war. Vgl. nächsten Textabschnitt.)
  • Unsere Erzieherin war während der ganzen Zeit alleine für meine Tochter da und hatte keine sonstien Eingewöhnungen. Sie hatte also Zeit, um eine Bindung mit meiner Tochter aufzubauen. Was sicher auch mit Glück zu tun hat: Meine Tochter schloss sie am ersten Tag förmlich ins Herz und ging am zweiten Tag – von sich aus natürlich – mit ihr in einen anderen Raum, in dem sie rund 30 Minuten ohne mich verblieb. Danach war unsere Kita-Zeit für den Tag schon wieder rum.
  • Unser Aufenthalt in der Kita wurde langsam aufgebaut: Am ersten Tag verbrachten wir 1.5 Stunden in der Kita, am achten vier.
  • Auch die Trennung wurde langsam angegangen: Die erste Trennung fand nach vier Tagen statt und dauerte 20 Minuten, die letzte dauerte vier Stunden. Bevor ich ging, fragte ich meine Tochter jeweils – mit entsprechender Vorbereitung bereits am Abend zuvor – ob es für sie ok wäre, wenn ich jetzt ginge, was sie jeweils bejahte.
  • Im Eingewöhnungs-Konzept, das wir von der Kita erhielten, las ich ausserdem, was ich beim unserer Eingewöhnung im Wald alles falsch gemacht habe. Eltern wird nämlich empfohlen: Weder mit dem Kind selber noch mit anderen Kindern zu spielen, noch Zeitung zu lesen. Dafür aber zurückhaltend und dennoch aufmerksam sein und jederzeit auf die Bedürfnisse des Kindes eingehen. Sich vor dem Gehen immer verabschieden, denn sonst werde das Kind verunsichert, dass das Elternteil plötzlich verschwinden kann. Der passive aber dennoch sichere Hafen quasi.

Ich glaubte es nicht: Nach nur zwei Wochen war meine Tochter eingewöhnt! Ohne Tränen. Alle Trennungen verliefen problemlos, sie ging von sich aus auf die Erzieherin ein, lief neugierig von mir weg, um sich ihrer geliebten Küche zu widmen. Wachte morgens munter auf und sagte stolz: “Ich will in die Kita zu meiner Lilly!”. Zu ihrer Erzieherin.

Der dritte Akt: Die Nase an der Fensterscheibe ermöglicht unsere Kita-Eingewöhnung ohne Tränen

Doch bald kam die Wende: Kaum standen wir in der Kita-Garderobe, wollte meine Tochter nicht, dass ich gehe. Ich bin also mit in den Raum. Dort ging das Verhandeln los: „Noch 13 Minuten bleiben, bitte noch 18 Minuten..“ Eines Tages musste ich aber wirklich los. Ich war bereits seit einer Stunde in der Kita, hatte in 30 Minuten einen Telefontermin. Meine Tochter wollte nicht, dass ich gehe. Ich sagte zu Lilly, ich müsse jetzt gehen, wenn es meiner Tochter innert drei Minuten nicht besser gehe, käme ich wieder rein. Ich drückte ihr einen Kuss auf die Wange: Ich komm Dich nach dem Mittagessen abholen! Drehte mich um und lief davon. Meine Tochter schrie, streckte ihren kleinen Körper durch. Ich lief weg, schloss hinter mir die Tür. Wieder tausende Gedanken schossen durch meinen Kopf. War das jetzt richtig? Soll ich gleich wieder rein? Ich beschloss meiner Tochter die Chance zu geben, sich von Lilly trösten zu lassen. Und hielt draussen natürlich das Ohr an die Tür. Nach rund zwei Minuten weinte sie nicht mehr. Ich tigerte 15 Minuten lang vor der Türe rum: Immer noch ruhig. Ich schlich mich um die Kita und lugte durch die Fensterscheibe in den Kita-Raum: Meine Tochter las mit Lilly in einem Buch. 

Als ich meine Tochter abholte, schien alles gut: Sie hätte danach wie immer gespielt. Mich konnte man aber für den Rest des Tages nicht brauchen. Es war das erste Mal, dass ich meine Tochter im Stich liess. Sie schrie weder wenn ich sie in ihrer Bastelspielgruppe liess, noch wenn sie mit ihrem Vater oder sonst wem aus der Familie blieb. Warum denn hier? Wird sie Kita jetzt für immer erstmal mit Tränen und Angst assoziieren? Gleichzeitig wollte ich nicht, dass es zum System wird, dass sie denkt, ich gehöre zum fixen Kita-Inventar und jedes mal erst eine Stunde in der Kita verweilen muss. Ich sprach mit meinem Mann, meinen Freundinnen und ziemlich schnell wurde klar: Zwei Wochen (auch wenn recht intensiv) waren viel zu wenig. Unsere Tochter braucht Zeit. Noch mehr Zeit. Diese geben wir ihr.

Als erstes entschuldigte ich mich bei meiner Tochter. Ich erklärte ihr, dass es mein Fehler war, zu gehen, obwohl sie noch nicht soweit war und nach mir rief. Dass es nicht in Ordnung war. Dass ich mit der Situation überfordert war und falsch reagierte. Und dass ich von nun an, erst dann gehen werde, wenn sie bereit ist und nicht mehr weint. Gleichzeitig erklärte ich ihr, dass ich möchte während ihrer Kita-Zeit an meinem Blog arbeiten zu können. Weil mir meine Arbeit wichtig ist und ich diese gerne mache. Und damit sie sich in der Kita sicher fühlt, werden wir ihr die Zeit geben, die sie braucht. Sie hörte mir aufmerksam zu. Ich weiss nicht, wie viel sie mit ihren drei Jahren verstanden hat, aber sie hat auf jeden Fall verstanden, dass ich sie ernst nehme und bemüht bin, einen Weg zu finden, der für uns alle stimmt.

Ausserdem hat mein Mann – auf Lillys Vorschlag hin – die Eingewöhnung für die kommenden Wochen übernommen. Der Abschied vom Vater falle den Kindern offenbar leichter als von der Mutter. Auch er kommunizierte klar, dass er erst gehen werde, sobald sie sich wohl fühlt. Er kam ausserdem auf die grossartige Idee des Fensterscheiben-Abschiedsrituals. Dieser geht so: Anstatt sich im Raum zu verabschieden, sagte er meiner Tochter, er werde jetzt rausgehen und sich vors Kita-Fenster stellen, damit sie ihm zuwinken kann. So fand die eigentliche Trennung erst ausserhalb des Kita-Raumes statt und meine Tochter hatte dabei die volle Mitsprache: Sie gab ihm jeweils ein Zeichen, dass er nun nach draussen zur Fensterscheibe gehen darf. Dort drückte er seine Nase – was ihn in ein wenig wie ein Schwein aussehen liess – an die Fensterscheibe. Alle Kinder lachten, meine Tochter lachte auch und winkte ihm zu: Er könne jetzt gehen. Eine Kita-Eingewöhnung ohne Tränen? Geht doch.

Was uns neben dem Faktor Zeit, vom Vater bringen lassen und dem Fensterscheiben-Ritual half:

  • Etwas früher kommen. Mit der Erzieherin absprechen, um welche Zeit nicht allzu viele Kinder da sind, so dass unsere Tochter in aller Ruhe im Kita-Raum ankommen kann.
  • Bei der Kommunikation auf das Abholen betonen. Anstatt “Ich gehe jetzt.” sage ich jeweils “Ich komme Dich nach dem Mittag abholen.” Manchmal machen wir zur Auflockerung ein wenig Witze: “Wann komme ich Dich abholen? Nach dem zNüni? Oder nach dem Abendessen?” woraufhin meine Tochter kichert und ich lachend auflöse: “Nein! Quatsch mit Sauce! Ich komme Dich natürlich nach dem Mittag abholen!”.
  • Den Tag ruhig angehen. Wenn meine Tochter spürt, dass ich morgens gestresst bin, ist sie entsprechend schlecht drauf, wenn wir in der Kita ankommen. Um die Morgen zu entspannen, versuche ich am Abend möglichst alles vorzubereiten: Meine abendliche Checkliste, findet ihr hier.

Ich, Mutter, endlich eingewöhnt 

Und so kam es, dass meine Tochter eingewöhnt wurde. (Fast) ohne Tränen, dafür mit viel Geduld und Verständnis, auch seitens Kita-Mitarbeitenden. Geduld und Verständnis für meine Tochter, aber auch für mich. Denn im Nachhinein ist mir klar: Meine Tochter brauchte einfach ihre Zeit um sich in der Kita sicher und geborgen zu fühlen. Und nicht nur sie: Ich brauchte genauso meine Zeit für diese erste Trennung. Zeit um die Erzieherinnen kennenzulernen, Zeit um Vertrauen in die Abläufe unserer Kita zu gewinnen, Zeit um loslassen zu können.

Wenn ich meine Tochter heute – vier Monate seit dem Start der Eingewöhnung – in die Kita bringe, muss ich immer noch mit in den Raum. Aber nur noch kurz. Diese Schwelle von der Garderobe zum Raum, die gehe ich mit ihr, solange sie mich dabei braucht. Irgendwann wird sie es nicht mehr. Was sie aber hoffentlich immer wird, ist wissen: Dass wir ihre Gefühle und Bedürfnisse ernst nehmen, dass wir für sie da sind und dass wir uns die Zeit nehmen, eine Lösung zu finden, die für uns alle als Familie stimmt.

Zeit von der wohl nicht nur unsere Familie gerne profitieren würde. Viele Familien brauchen mehr Zeit. Denn das Problem sind nicht die Erzieherinnen, die Kinder festhalten müssen oder Eltern, die ihre Kinder weinend in den Kitas lassen müssen. Das Problem sind unsere Politik und Gesellschaft, welche für Familien keine Zeit zu haben scheint. Kinderfreundliche Kita-Eingewöhnungen sind in der Schweiz schwierig, denn Mütter haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen Mutterschaftsurlaub von lediglich vier Monaten. Väter bekommen einen einzigen Tag. Da müsste die Mutter fast noch im Wochenbett mit der Eingewöhnung starten, wenn sie sich dafür genug Zeit nehmen will. Zeit, die die wenigsten Familien haben oder sich leisten können. Zeit die aber wichtig wäre, sowohl für Kinder wie auch für Eltern.

Und wenn ich mir das genau überlege, zieht sich dieses Zeit-Problem durch das ganze Leben junger Familien. Geburten werden eingeleitet. Väter dürfen nur einen Tag nach der Geburt bei ihrer Familie bleiben. Müttern wird geraten, mit sechs Monaten abzustillen, obwohl die WHO zwei Jahre Stillzeit empfiehlt. Und die erste und so prägende Erfahrung der Kindheit wie der Abschied oder die erste Trennung von den Eltern wird in vielen Kitas oder Kindergärten ungeduldig und unachtsam gestaltet. Wir leben in einem unglaublichen Wohlstand und feiern technologische Fortschritte. Aber es scheint, dass uns vor lauter Prozessoptimierungen die Zeit für Menschlichkeit abhanden kam.

Titelbild: ©Bogicevic/Stockfresh

 

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Mehr zum Thema

  • Quali-Kita: In der Schweiz gibt es keine verbindlichen Regelungen zu professionellen und kinderfreundlichen Eingewöhnungen in die Kita. Viele Kitas machen einfach nach Gefühl und verfügen über keine Eingewöhnungskonzepte. Gute Kitas tragen das Label QualiKita, das im Jahr 2013 lanciert wurde. Eins der Kriterien für diese Auszeichnung ist die Eingewöhnung nach dem Berliner Modell. Von solchen QualiKitas gibt es in der Schweiz gerade mal 60 Einrichtungen. Mehr Infos findet ihr auf der: Webseite des Vereins QualiKita
  • Noch sanfter als das Berliner geht das Zürcher Modell vor, bei dem die Eingewöhnung rund sechs Wochen dauert und vor der dritten Woche keine Trennungsversuche unternommen werden, aus “wir eltern”: So gelingt die Eingewöhnung
  • “Denn das ist das A und O jeder gelungenen Eingewöhnung: Dass das Kind sich sicher und geborgen fühlt, und nie allein gelassen, verzweifelt und verängstigt.” Nora Imlau über fünf Punkte für eine gelungene Eingewöhnung: Unser bindungsorientierter Tagesmutter Start
  • “Ich fragte mich immer wieder – und glaubt mir, ich bin ein extrem selbstreflektierender Mensch – mache ich das Richtige? Im Prinzip habe ich es endlich geschafft, auf meine Tochter zu hören und das zu tun, was für sie am Besten ist.” Frida Mercury von 2KindChaos über ihren Entscheid ihr Kind aus dem Kindergarten zu nehmen: Mein Kind will nicht in den Kindergarten, stattdessen: kindergartenfrei
  • “Du lässt sie nicht im Stich. Du gibst ihr DIE CHANCE es ohne dich zu schaffen. Du wirst nicht für immer an ihrer Seite sein können. So ist das Leben. Wir wissen doch gar nicht, wie sie sich macht. Verbau ihr das nicht durch deine Ängste.” Wiebke von Piepmadame schreibt über: Ihre bindungsorientierte Eingewöhnung
  • “Als ich eines Morgens aufwachte und dachte: Ich kann und will das nicht mehr. Ab da nahm ich mir so viel Zeit, wie meine Tochter brauchte, und pfiff auf die gängige Meinung, dass Abschiede kurz zu halten seien. Ich ging erst, wenn Mini mich freiwillig gehen ließ. Fertig.” Sandra Schindler über: Kindergarten, Ängste und Loslassen.

Die Motivation hinter diesem Beitrag: Es ist mir ein Anliegen Eltern und Erzieher aufzuzeigen, dass Kinder ohne Tränen, ohne Zwang, dafür mit Achtsamkeit und Geduld eingewöhnt werden können. Deshalb wäre es wundervoll, wenn Du diesen Text in Deinem Umfeld teilst.

Ellen Girod
Ellen Girod ist eine freie Journalistin und Mutter. Sie fühlt sich geschmeichelt, wenn man sie als "Gluggere" bezeichnet. Daher auch der Name dieses Blogs.

9 Kommentare

  1. So ein toller Erfahrungsbericht der Mut macht weiter seinem Bauchgefühl zu folgen. Man wird leider als Mama hier nicht bestärkt sondern von der Gesellschaft und oftmals den Erzieherinnen hingestellt als würde man nicht loslassen können als wäre man selbst das Problem. Wir haben gerade die Kita abgesagt. Es wurde nur drei Tage eingewöhnt – so ein Unding. In der Realität ist es den Einrichtungen glaube ich lieber die Eltern sind schnell weg. Aber ich stehe auch dafür dass sich ein Kind lösen kann wenn es Zeit bekommt. Man selbst vertraue doch auch keinem Menschen innig nach nur wenigen Wochen. Und um als Mama vertrauen zu haben muss man merken dass auch das Kind vertrauen aufbaut. Ich hoffe es gibt immer mehr Eltern die ihren Kindern diese Zeit lassen (können). Ich bin dankbar dass es wenigstens heute neue Konzepte gibt die doch noch Hoffnung machen ohne Druck und zwang sein Kind groß zu bekommen. Sondern mit liebe und Geduld.

  2. Liebe Ellen,

    ich habe gerade sehr aufmerksam deinen Artikel gelesen, da er mir in meiner momentanen Situation sehr aus dem Herzen spricht.

    Bei mir ist es schon Kind 2 (3 Jahre) welches ich momentan eingewöhne und da es bei Kind 1 relativ suboptimal lief (offiziell gut eingewöhnt nach 2 Wochen, dann krank bzw. Osterferien, dann zurück und Einbruch, jedoch Kindergärtnerin meinte Kind sei schon eingewöhnt, ich könne nicht mehr dabei bleiben, schreiend zurück gelassen etc.) wollte ich es diesmal anders, besser, sanfter machen.

    Grundsätzlich wird zumindest offiziell auch bei uns nach dem Berliner Modell eingewöhnt, ich beobachte aber immer wieder, dass es in der Praxis eher versucht wird sehr zügig einzugewöhnen und weinend zurückgelassene Kinder keine Seltenheit sind…

    Daher habe ich diesmal vorab mit der Betreuerin abgeklärt, dass ich mir extra viel Zeit nehme und mein Kind sanft eingewöhnen möchte.
    Ich muss sagen, ich habe auch das Gefühl, dass ziemlich gut darauf eingegangen wird. In der ersten Woche hatten wir zwar sehr schnell Trennungsphasen (zuerst 5Min., dann halbe Stunde, dann Stunde) wo ich aber im Kindergartengebäude gewartet habe. Als am 4. Tag mein Sohn nach einem Situationswechsel offensichtlich überfordert war und sich nicht mehr beruhigen ließ haben sie mich auch reingeholt, wofür ich sehr dankbar war. Und wir wieder einige Schritte zurück machten. Nach drei Wochen hatte ich das Gefühl es würde schon ganz gut laufen (also ich musste immer noch in der früh relativ lange mit in die Gruppe gehen bis ich mich von meinem Sohn verabschieden konnte, aber dann ließ er mich gehen und ich war schon um die 2h weg.

    Heute wieder ein ziemlicher Rückschlag: nach 20 Min. in der Gruppe mit ihm wollte ich mich wieder verabschieden, aber er weinte er wolle mit und ließ mich nicht gehen. Nach 10 Min. ein erneuter Versuch worauf er einfach mitgehen wollte, weinte mich mit ihm wegziehen versuchte. Ich ging mit ihm dann in den Vorraum um ruhig mit ihm sprechen zu können, beruhigte ihn etwas aber konnte ihn nicht wirklich davon überzeugen mich gehen zu lassen. Die Pädagogin kam dazu und meinte dann, wenn ich ihn jetzt mitnehmen würde, würde er sich das merken und es am nächsten Tag wieder so versuchen. Und ich dachte schon auch dass sie damit wahrscheinlich Recht hat.

    Sie schlug dann vor offiziell eine “Klopause” zu machen und dann ihn abholen zu kommen. Als ich ihm sagte, dass ich eben nur kurz für 5 Min. aufs WC müsse und ihn dann abholen kommen würde, ließ er sich widerwillig überzeugen und ging mit der Betreuerin wieder rein.
    Nach 5 Min. sprach ich bei der Tür mit einer Assistentin, die meinte, er sitze jetzt ruhig auf dem Schoss der Pädagogin und sie würden ein Buch lesen. Worauf ich sagte, ja gut, dass er sich beruhigt hat, aber ich habe ihm versprochen nur kurz weg zu sein und ihn abzuholen. Ich wollte mich dann nicht einfach davon stehlen, was sie zum Glück auch einsah.
    Wir einigten uns darauf, dass sie ihn nochmal fragen würden, ob er jetzt doch bleiben wolle und sonst sollte ich ihn abholen. Offensichtlich wollte er nicht wirklich und so beschlossen wir, dass ich nach weiteren 5 Minuten kommen würde um ihn abzuholen.

    Da war er dann auch sichtlich erleichtert und lief in meine Arme. Ich war einerseits dann schon froh, dass wir diese kurze Trennung dann doch relativ positiv geschafft haben und er sich offensichtlich auch schon etwas beruhigen ließ von der Pädagogin, was darauf schließen lässt, dass da schon eine gewisse Bindung da ist, aber andererseits war ich wieder sehr verunsichert, ob wir jetzt quasi wieder bei Null anfangen und ob wir das so schaffen werden / sollen.

    Meine Bedenken sind auch: er ist jetzt schon sehr daran gewöhnt, dass ich jeden Tag mit reingehe (so wie es bei dir ja auch war), das hat jetzt halt schon System und ich machte es um ihn den Abschied / die Schwelle zum Kiga zu erleichtern, bin mir jetzt aber nicht mehr so sicher, ob es das nicht noch schwerer macht.

    Ich wünsche mir wirklich so sehr eine Eingewöhnung ohne Tränen und bin auch überzeugt davon dass er es schaffen kann, aber ich möchte keinesfalls dabei unsere gute Bindung stören und ihm mehr Stress als notwendig zumuten.

    Bin schon gespannt, wie es uns die nächsten Tage geht….

    Liebe Grüße

    PS: Euer Ritual mit dem Fenster ist auch sehr nett, bei uns aber leider vom Gebäude her nicht durchzuführen, da die Fenster des Gruppenraums in den Garten schauen…

    1. Liebe Tatjana,

      hab vielen Dank für Deine Gedanken! Ach, wie sehr ich mit Dir mitfühle. Been there, done that.

      Ich kann Dir leider kein “Patentrezept” geben. Ausser: Schau auf Dein Kind, schau auf Dich und gib euch Zeit. Die meisten Eltern-Kleinkind-Probleme lassen sich in der Tat mit genug Zeit lösen. Rückblicken betrachtet: Bei meiner älteren Tochter dauerte die Eingewöhnungsphase bis gut ein halbes Jahr. D.h. nach einem halben Jahr konnte sie problemlos in der Kita bleiben. Die Jüngste hingegen ist viel schneller, womöglich weil sie ihre Schwester dabei hat (sie sind in derselben Kita-Gruppe). Und ja meine sind es auch gewöhnt, dass ich mit ihnen kurz reingehe. Ich hab allerdings den Radius immer etwas eingeschränkt: Mittlerweile verabschieden wir uns in der Türe. Wichtig ist ausserdem, dass Du auch ein gutes Gewissen hast und Dich freust, wenn ihr in die Kita geht. Aber auch hier: Das braucht Zeit. Zumindest bei mir, kam das erst mit der Zeit, als ich merkte, wie sehr sich die Kinder auf die Kita freuen bzw. wie gut es ihnen ging beim abholen. Auch würde ich mich nicht so sehr auf das “tränenfreie” versteifen. Jedes Kind ist anders und drückt seine Emotionen anders aus. Auch gibt es verschiedene Arten des Weinens: Panik oder “gesunder” Abschiedsschmerz, bei dem auch eine Kitaerzieherin gerne begleiten und trösten kann. Ich hoffe, das hilft Dir ein wenig.

      Ach ich weiss genau wie es Dir geht. Und es ist nicht einfach. Ich denke, solange Du authentisch und in Beziehung mit Deinem Kind bleibst, kannst Du eigentlich fast nichts falsch machen.

      Alles Gute für euch!

      Herzlich,
      Ellen

  3. Hallo Ellen,

    danke für diesen Bericht, der sicherlich auch einiges an Überwindung gekostet hat, ihn so offen zu schreiben. Wie es der Zufall will, habe auch ich vor kurzem einen Artikel zum Thema Kiga-Eingewöhnung ohne Tränen geschrieben – wenn auch für eine Einrichtung in Deutschland. Auch hier ist nicht alles Gold was glänzt – trotz Berliner Modell! Vielleicht interessiert sicher daher jemand für eine etwas andere Art der gelungenen Eingewöhnung:
    https://blog.fas-stuttgart.de/unsere-kiga-eingewoehnung/

    Viele Grüße von
    Daniela

  4. Liebe Ellen
    Dein Text hat mich sehr berührt! Ich musste weinen als ich den Teil mit zweiten Trennung las bzw. dort, wo Du Deiner Tochter erklärst, dass Du an Deinem Blog schreiben möchtest. Ich finde das gut und auch wichtig. Auch wir Frauen sollen unsere Interessen verfolgen können!
    Unsere Eingewöhnung war auch nicht einfach…zwar Berliner Modell aber mit 9 Monaten schon voll in der Fremdelphase.
    Am Schluss hat es auch der Papi gemacht..und jetzt geht er total gerne! Ich bin froh hat er noch weitere Bezugspersonen und Inputs.

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