Elternsein

Was machen Hausfrauen eigentlich den ganzen Tag?

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Es ist 6.00 morgens, ich bin aus dem Schlafzimmer geschlichen und während meine Töchter weiterschlafen, tippe ich in Ruhe diese Zeilen. Denn dieser Text hier brennt mir schon lange unter den Nägeln. Neulich fragte mich ein alter (kinderloser) Freund: „Was machst Du eigentlich den ganzen Tag? Ist dir nie langweilig?“. Er meinte, als Hausfrau mit beiden Kindern. Unschlagfertig wie ich bin, konnte ich ihm nicht so recht antwo… Oh, Moment, meine 10 Monate alte Tochter, ist wach. Ich muss schnell zum Stillen ins Schlafzimmer.

[6.30] So. Da bin ich wieder. Wo waren wir? Genau. Hausfrauen. Was tun wir eigentlich den ganzen Tag? Wird’s uns nie la… Mist. Ich bin zu früh raus. Die Jüngste war wohl noch nicht in ihrem Tiefschlaf. Na prima, nun ist auch ihre grosse Schwester wach. Wir machen jetzt erst mal unsere Morgen-Zeremonie und dann bin ich wieder bei euch.

[13.00] Sodele, hier bin ich. Ja schon eins, ich weiss. Es war halt wieder einer dieser Morgen! Dabei fing alles so gut an: Ich musste nur drei Mal der Grossen hinterherrennen, um sie aus dem Pyjama zu kriegen, durfte ihr sogar eine Frisur machen. Danach deckte sie den Frühstückstisch, während ich meine Jüngste wickelte bzw. sie 32 Mal vom Bauch auf den Rücken zu drehen versuchte. Mit Betonung auf versuchte. Beide Kinder sassen irgendwann in ihren Tageskleidern am Küchentisch, ich klopfte mir selbst auf die Schulter. Doch dann passierte es: Während ich Banane schnitt, versuchte meine Grosse die Milch in ihren kleinen Krug zu giessen – etwas das sonst eigentlich ich mache – und ja, ihr wisst schon. Ein halber Liter Milch und einige Bodenlumpen später, landeten wir auf dem Sofa für das morgendliche Stillen des Babys. Danach spielten die Kinder für sich, ich räumte den Geschirrspüler aus, den zMorge ab. Babywickeln, Babyeinschlafstillen, Mittag vorbereiten, mit der Grossen essen, Tisch abräumen, Küche aufräumen, Büechli vorlesen. So schnell wurde es wieder eins.

Jetzt ist die Grosse aber satt und das Baby schläft. Und ich kann weiterschreiben. Wir hattens ja von Langweil- “Was, ich hab Vitamin D vergessen?” Entschuldigt, ich muss rasch meiner Grossen dieses Vitamin-D-Öl geben, sonst vergesse ich es wieder. Und ich höre, dass das Baby nun wach ist. Ich komme gleich wieder…

Hier bin ich! Das Baby ist gestillt, gewickelt, umgezogen und Babykleider sind im Waschbecken in Gallseife eingeweicht, weil sich der Babystuhl bis zum Nacken bahnte. Nun sind die Kinder aber wirklich frisch und munter und ich kann wieder schreiben. „Was? Ich soll Dein Po? Ah so, ok.“ Nur ganz schnell.

[14.00] Sorry, hat etwas gedauert, denn meine Grosse hat ihr Töpfchen nicht erwischt. Also eigentlich schon, aber etwas spät. Ihr kennts. Der Boden im Badezimmer ist jedenfalls sauber aufgenommen. Und danach wollte sie ein frühes zVieri. Jetzt aber. Wir waren ja beim Thema Langweile. Und zwar ist es so dass, —Trrrring! Oh, der Alarm für die Wäsche. Ich muss rasch in die Waschküche, ja? Schmeisse das Zeug in den Tumbler und bin gleich wieder bei euch. Bzw. nein, ich glaube wir treffen uns in zwei Stunden wieder, denn ich muss nachher kurz raus auf den Spielplatz mit den beiden.

[17.00] Wir sind wieder zu Hause! Die Grosse ist geduscht – irgendwie ist sie immer so voll Sand nach dem Sandkasten. Also bis unter die Socken, ist das bei euch auch so? – das Baby gestillt und gewickelt. Jetzt bleibt mir ein Momentchen, bevor es mit dem Abendessen weitergeht. Die Grosse liest etwas für sich, meine Jüngste halte ich im Arm und jetzt spuckt sie mich voll —Ding-Dong! Mist, ausgerechnet jetzt ist jemand an der Tür. Wird wohl der Pöstler sein, ich hab gestern Nacht noch Lebensmittel online bestellt. Muss nur schnell die Tür aufmachen.

[18.00] Here I am. In alter Frische. Ich stand also vollgekotzt vor dem Pöstler (Klassiker, oder passiert euch das nie?), musste danach der Jüngsten und mir rasch das Oberteil wechseln und die Frischprodukte in den Kühlschrank einräumen. Was, ist schon 18.00? Muss ganz rasch Kartoffeln rüsten, heute gibt es nämlich Älplermagronen zum zNacht. Kochen wird aber mein Mann. Hehe. Ich komme gleich wieder!

So. Der Mann ist zu Hause bzw. am Herd, die Kinder spielen im Wohnzimmer und ich kann endlich wieder weiterschreiben. Was ist? Oh, meine Ältere steht gerade in der Türe. Sie möchte in den Arm genommen werden und möchte kuscheln. Also. Wir essen erst mal und danach melde ich mich wieder.

[19.00] Wo war ich? Ach ja, genau. Was machen wir Hausfrauen eigentlich den ganzen Tag lang? Moment, mein Mann will wissen, wo die Windeln sind. „Der Pöstler hat vorhin welche gebracht, schau ganz hinten im Flur.“ Er wird die beiden jetzt baden und ich kann in aller Ruhe.. Wäääääääähhh!!!!! Die Grosse hat der Kleinen versehentlich einen Krug mit Wasser über den Kopf geleert. Ich muss kurz ins Bad. Und wisst ihr was? Wenn wir schon dabei sind, gehe ich rasch selber duschen. Denn morgen werd ich nicht dazu kommen. (Wer weiss wie das geht, ist eingeladen einen Gastbeitrag zu schreiben „Stressfrei Duschen mit zwei kleinen Kindern nebenan“)

[20.00] So. Wir sind frisch gebadet bzw. geduscht und schon ist es Zeit fürs Bett. Mein Mann räumt die Küche und das Bad auf. Ich montiere schnell das Baby auf den Rücken, um der Grossen die Haare zu föhnen, sie einzuölen, Zähne zu putzen und Pijamalotti anzuziehen. Dann das Baby umziehen und einschlafstillen. Am Schluss die Grosse einschlafbegleiten.

[21.00] Feierabend! Und endlich bin ich wieder bei euch. Und das Baby ruft wieder. Und auf dem Sofa liegt Wäsche zum Falten und die vollen Einkaufstüten müssen noch ausgeräumt werden. Ich machs schnell, ja? Weil morgen früh komme ich nicht mehr dazu. Aber wisst ihr was? Morgen stehe ich ganz früh auf, um euch wieder zu schreiben. Wovon hatten wir es schon wieder? Ach so, genau. Davon was wir Hausfrauen so den ganzen Tag lang machen.

Bild: © Caspar Rubin
Ellen Girod
Ellen Girod ist eine freie Journalistin und Mutter. Sie fühlt sich geschmeichelt, wenn man sie als "Gluggere" bezeichnet.

23 Kommentare

  1. PS: Und das war ein Tag an dem weder ich noch eins der Kinder krank waren (und beispielsweise das ganze Bett voll mit Erbrochenem war) und mein Mann am Abend nicht arbeiten musste. Hut ab, vor all den Müttern da draussen, ihr leistet täglich Grossartiges! Und alle Kinderlose: Fragt uns Mütter nie, nie was wir den lieben Tag lang so machen.

    Und wenns einer doch mal tut: Diesen Text weiterleiten.

  2. 😂
    Ich finde es passt!
    Meine sind nun meistens tagsüber in der Kita ( Kleinkinder und Kranksein und so) und ich erobere mir so gaaaaanz langsam den Haushalt wieder und vor allem so ein bischen Zeit für Ehrenamtliches, Sport und die eigene Gesundheit. (Kaputter beckenboden + Rücken und sowas)
    Wie demütig wird man als Mama, wenn man es genießt ohne „Hilfe“ die Spülmaschine auszuräumen oder die Kinderkleidung erst in Ruhe zusammenzulegen und in die Schränke zu verräumen.

    Und dann kommt immer wieder ein Gefühl von Scham auf, es so gut zu haben. Was machen denn die, die auch noch Arbeiten gehen?

  3. Wir Eltern (Wir haben drei Kinder, eines davon mit Angelmansyndrom) sind in der Tat ständig auf Trab. Ich versuche an zwei Morgen pro Woche, an denen ich unterrichte, etwas andere Energie zu tanken.

  4. Liebe Ellen, klasse Alltags-Hausfrauen-Ablauf-Artikel. Diese Fragen, was macht ihr eigentlich den ganzen Tag, ihr Mamas? kenne ich, …oft stellt man sich ja auch selbst…. habe einen Drei-jährigen und ein 6-monat-altes Baby, aktuell beide KRANK (Alarmglocken), also…….. Fazit: Kinderlose dürfen nicht fragen, was wir so den ganzen tag machen und Mamas und Eltern, die ihre Kinder betreuen: Respekt, genau!!!

  5. Genau so ist es bei uns auch! Wir haben den ganzen Tag ein „Gjufel“. Oh warte… Ich muss schnell unserer Grossen beim Umziehen helfen. Sie hat gerade diesen Röckli-Tick und wechselt alle zwei Stunden ihr Kleid 🙈
    Nun. Wo war ich? Ach ja – toller Artikel! Und sooooo wahr! Ich bin froh, dass es nicht nur mir so geht… Herzlich, Isabelle

  6. Oh meine seelenverwandte…. und wieder befinde ich mich in diesem hamsterrad…. ich strample mich ab, mal schneller und dann wieder mal langsamer, aber immer stets in Bewegung….iiiimmer schön im Schuss bleiben.
    So nun liege ich da, mit Baby an die Brust gekuschelt, 3jährige im beistellbett neben mir, in Gedanken an….noch schnell Brust geben, dann wieder in die Küche, vllt noch Bügeleisen raus und endlich die Wäsche bügeln bevor wieder Montag ist und mein Mann seine …. meine Tochter wieder am hin und her wälzen, liegt’s am Schnee? Wenigstens schläft mein Sohn friedlich nuckelnd an mir.
    Also mein Mann, der Ernährer, der jeden Tag für uns aufsteht um Geld zu verdienen, der braucht seine Hemden, Gopf und ich versuche jedes Mal nach dem waschen, gleeeich die Hemden zu bügeln und in den Schrank zu hängen, doch schon wieder ein haufen der sich vermehrt von allein vermutlich. Ich überlege immer noch, mein Mann mit Handy in der Hand am gamen, er muss sich entspannen, hatte es am Schluss vom Tag noch recht streng, doch davor noch eins der unzähligen….Weihnachtsmittagessen mit den Jungs von der Arbeit, dass vom 12:30-15 dauerte. Doch eben gäll, dann wars streng. So, jetzt ist mein Mann müde, hat sich den Feierabend verdient, ich zwar auch aber seh das Ende irgendwie noch nicht.
    So geh weiter machen.

  7. Jetzt habe ich ja fast ein schlechtes Gewissen, wenn ich mich über meine Klausuren und Examina beschwere.
    Nicht nur ich habe ein stressiges leben.
    Vielleicht treffe ich mich beim nächsten mit meiner Freundin (Mutter von 2 Kindern seit 6 Monaten) nicht zu einem Kaffe sondern zum Wäsche zusammen legen 😋
    Lg Svea

  8. So kann ein Tag definitiv aussehen. Und wenn er ein bisschen weniger ausgefüllt mit Kinderkleckereien und Innereien ist schaffe ich es vielleicht sogar mal noch zu saugen oder sogar Bäder zu putzen. Fensterputzen wurde abgeschafft. Hat mir meine Schwiegermutter vor einem Jahr mal geschenkt, wäre mal wieder Zeit 😅
    Die “erfolgreichen” Tage sind für mich aber jene an denen ich es schaffe die Kinder so zu nehmen wie sie sind: wild, laut, kuschlig, tollpatschig, verträumt, wissbegierig ohne Ende und ohne Punkt und Komma

      1. Sie hat nicht selbst geputzt, sie hat mir die Putzfrauen bestellt 😅
        War aber definitiv eine nette Geste und nicht als “hier siehts aus wie Sau” gemeint ☺️.

  9. Als 29-Jährige Mutter einer 5-Jährigen Tochter und eines 1-Jährigen Sohnes bekomme ich diese Frage regelmässig gestellt…

    “Was machst du den ganzen Tag eigentlich?” lautet eher “Kannst du mir bitte sagen, dass ich ein besserer, kompetenterer Mensch bin? Ja (hechel, hechel), denn ich möchte gerne diese Bestätigung haben… und lieber mache ich dich schlecht, als dass ich mich noch minderwertiger fühle!”

    In den ersten 4 Jahren habe ich versucht höflich zu sein und so zu antworten, damit die Fragesteller sich nach dem Gespräch wohler fühlen. Mittlerweile antworte ich ehrlich (genug)!

    Meist bekomme ich eine weitere Frage gestellt: “Glaubst du wirklich, dass dein Mann dich, mit seiner Ausbildung und Karriere, noch in 10 Jahren haben will?”

    Mit Leichtigkeit zu leben ist eine Kompetenz, welche viele Menschen sich noch nicht angeeignet haben! (Dazu fehlt ihnen wohl die Lebenserfahrung)

    Und ja, solche Fragen sind unangebracht! Mittlerweile betrachte ich sie eher als Kompliment …

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